Europa zwischen den Großmächten: Von rationaler Geopolitik keine Spur

vor 6 Monaten

Europa zwischen den Großmächten: Von rationaler Geopolitik keine Spur
Bildquelle: Tichys Einblick

Am Ende des 19. und Beginn des 20.Jahrhunderts sah sich das British Empire einer gewaltigen Herausforderung gegenüber. Ihre einstige Kolonie, die jetzigen Vereinigten Staaten von Amerika, waren dabei, sie als Großmacht nicht nur einzuholen, sondern zu überflügeln.

1850 waren die Bevölkerungszahlen des Vereinten Königreichs und der USA etwa gleich hoch. Doch schon 1900 gab es bereits zweimal so viele Amerikaner als Briten. 1870 war die amerikanische Wirtschaft erstmals größer als die britische und 1914 doppelt so groß. 1880 hatte das UK einen Anteil von 23 Prozent am Welt-Bruttosozialprodukt. 1914 war der britische Anteil auf 13 Prozent gefallen. Der amerikanische war auf 32 Prozent angewachsen.

Auch militärisch war das British Empire dabei, seine Vormachtstellung einzubüßen. Der Two-Power Standard, die Doktrin, dass die britische Navy immer über mindestens genau soviel Kriegsschiffe verfügen sollte, wie ihre beiden wichtigsten Konkurrenten, war nicht länger aufrecht zu erhalten. Der erste Lord der Admiralität, der Earl of Selborne, drückte das damals so aus: “Wenn die Amerikaner sich dafür entscheiden würden, das zu kaufen, was sich problemlos leisten können, könnten sie eine Armada aufbauen, die unserer zunächst ebenbürtig wäre, bald aber größer und mächtiger als unsere wäre”.

Zu dieser Zeit bestimmte die britische Admiralität die Politik des Vereinigten Königreichs. 1904 sagte deren höchster Offizier der Marine, der First Sea Lord Jacky Fisher, seinen zivilen Vorgesetzten, was diese zu tun hätten. “Versuchen Sie diesen Krieg unter allen Umständen zu vermeiden. Denn unter keinen, wie auch immer gearteten, Umständen könnten wir einer umfassenden und für uns erniedrigenden Niederlage durch die Amerikaner entgehen. Wenn ich es irgendwie vermeiden kann, würde ich niemals einen Händel mit den Amerikanern beginnen”.

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