„Wir sind gegen Feminismus, wir sind pro Weiblichkeit“: Chefin des konservativen Frauenmagazins Evie über „tradwives“ und die moderne Frau

vor 10 Monaten

„Wir sind gegen Feminismus, wir sind pro Weiblichkeit“: Chefin des konservativen Frauenmagazins Evie über „tradwives“ und die moderne Frau
Bildquelle: NiUS

Das werteorientierte US-Frauenmagazin Evie treibt Linke zur Weißglut. Die Debatte ist nun auch in Deutschland angekommen: SZ, Spiegel und taz zerreißen die „Cosmopolitan für Konservative“. Die Triggerpunkte: Die Zeitschrift schreibt positiv über das Patriarchat, feiert das Frau-sein, verkauft ein „Rohmilch-Magd-Kleid“ und macht Reportagen über bekannte „tradwife“-Influencerinnen. NIUS traf Chefredakteurin Brittany Hugoboom zum Gespräch.

Brittany Hugoboom ist keine „tradwife“. Die 33-Jährige modelte für internationale Firmen wie Adidas, Apple oder Bebe, 2023 war sie Cover-Model der vietnamesischen Ausgabe des internationalen Modemagazins Harper's Bazaar. 2017 heiratete die Texanerin ihre Jugendliebe Gabriel Hugoboom. Gemeinsam betreiben sie das Evie-Magazin, das laut der Chefredakteurin 100 Millionen Aufrufe im Monat hat. Die Zeitschrift ist ein Onlinemedium, einmal im Jahr erscheint zusätzlich eine gedruckte Ausgabe. Ihr zweites Unternehmen ist „28“, eine Fitness- und Ernährungs-App für Frauen, die auf dem 28-tägigen Menstruationszyklus basiert und empfiehlt, mit hormoneller Verhütung aufzuhören. Ein Investor des Unternehmens ist Tech-Milliardär Peter Thiel.

Mit der Mutter zweier kleiner Töchter sollte man sich besser nicht anlegen: Hugoboom besitzt den schwarzen Gürtel in Taekwondo und erkämpfte sich den Bronze-Titel in der Kampfsportart bei den Olympischen Jugendspielen. Die Evie-Gründerin ist eine gefragte Interview-Partnerin. Das Magazin erlangte internationale Bekanntheit vor allem durch eine Reportage in der New York Times.

Hugoboom gründete „Evie“ 2019 – als Alternative zu gängigen feministischen Publikationen.

NIUS: Frau Hugoboom, Sie sind Chefredakteurin von Evie. Können Sie das Magazin in drei Sätzen beschreiben?Hugoboom: Es ist ein Magazin für Frauen, die Romantik lieben. Ich habe es mal als „konservatives Cosmo“ (Abkürzung für „Cosmopolitan Magazin“, Anm. d. Red.) beschrieben. Aber eigentlich ist es für Frauen, die Wahrheit, Schönheit und Romantik lieben.NIUS: Es gibt schon sehr viele Frauenzeitschriften am Markt. Warum haben Sie sich 2019 dazu entschieden, Evie zu gründen?

Hugoboom: Damals, in den 2010er-Jahren – ich weiß nicht, wie es in Deutschland war –, aber in den USA war das die Zeit, in der sehr linke Publikationen aufkamen, wie Jezebel, Refinery29, Vice. Die waren sehr feindlich eingestellt gegenüber Frauen, die konservativere, christliche Werte hatten. Für diese Frauen gab es einfach kein Medium. Viele von ihnen lieben Popkultur, Musik, Fernsehen – aber sie hatten den Eindruck, ihre Werte wurden von den Frauenzeitschriften gehasst. Deshalb haben wir Evie gestartet, weil es so ein Magazin nicht gab. Bis heute gibt es eigentlich nichts Vergleichbares.

NIUS: Sie hatten also den Eindruck, es gibt so viele linke Frauenmagazine – und da wollten Sie ein eher konservatives gründen?

Hugoboom: Ja. Ich würde gar nicht sagen, dass ich ein hyper-politisches Magazin gründen wollte, sondern eher eins, das konservative Werte nicht hasst. Viele andere Magazine haben Polygamie gepusht, Männerhass verbreitet – es war alles sehr einseitig. Wir dachten: Frauen sind doch interessanter als das. Evie hat einen großen Einfluss auf die US-amerikanische Kultur, mittlerweile sogar weltweit, was sehr cool ist.

NIUS: Welche Werte vertritt das Magazin genau?

Hugoboom: Tugenden wie Mut, Liebe, Opferbereitschaft, Selbstlosigkeit. Andere Magazine pushen Polygamie oder erklären, wie man den Partner betrügt, ohne erwischt zu werden. Wir dagegen wollten etwas für Frauen machen, die einfach gute Frauen sein wollen und die Romantik und Liebe lieben.

Evie verkörpert auch die Sehnsucht nach stabilen Beziehungen und einer anhaltenden Ehe.

NIUS: Welche Zielgruppe spricht Evie an?

Hugoboom: Unsere Zielgruppe sind Frauen zwischen 18 und 34. Die meisten Leserinnen, die ich treffe, sind in ihren Zwanzigern. Ich habe das Gefühl, es sind immer die hübschesten Frauen, die ich je gesehen habe (lacht laut) – und sie sind immer so nett und glücklich. Jedes Mal, wenn ich eine Evie-Leserin im echten Leben treffe, ist es diese wunderschöne, fröhliche, lebensfrohe Frau. Eine Journalistin fragte mich, ob ich damit sage, dass andere Frauen nicht so seien (lacht wieder) – das sage ich nicht. Aber ich war echt erstaunt, wie hübsch und nett Evie-Girls sind. Es sind die Frauen, die alle Männer daten wollen. Wenn du eine Evie-Leserin datest, dann hast du Glück im Leben.

NIUS: Auf der Evie-Website liest man das Motto: „Feiere Deine Weiblichkeit!“ oder auch „Das Evie Magazin ist die Zukunft der Weiblichkeit!“. Wie würdest du Weiblichkeit definieren?

Hugoboom: Ich denke, Weiblichkeit ist die Nutzung der einzigartigen Kräfte, die nur eine Frau hat. Wenn man sich die mächtigsten Frauen in der Geschichte ansieht oder auch in Filmen – Frauen wie Kleopatra oder Marilyn Monroe – jede mächtige Frau war sehr feminin und hat ihre Weiblichkeit genutzt, um erfolgreich zu sein. Im Westen herrscht ein sehr individualistisches Denken. Das ist sehr maskulin: „Mach dein Ding.“ Das ist zwar toll für Innovation, aber das Yin, von Yin und Yang, geht verloren, also Schönheit, Charme, Mühelosigkeit. Frauen können stundenlang ins Einkaufszentrum gehen oder sich einen Iced Coffee holen und sind dadurch einfach glücklich. Sie sehen ein Baby und freuen sich sofort. Dieses Finden von Freude in kleinen Dingen – ich glaube, das können Männer so nicht.

Eine Frau zu sein ist etwas Besonderes. Uns wurde aber lange gesagt, wir sollen das unterdrücken: „Zieh kein Kleid an, das ist schwach“, „Rede wie ein Mann, um voranzukommen“, „Sei streitbar“. Aber ich denke, die wahre Stärke der Frau liegt in ihrer Weiblichkeit.

NIUS: Können Sie Weiblichkeit noch etwas genauer beschreiben?

Hugoboom: Schönheit, Charme, Anmut, Sanftmut. Ich finde, auch ein Sinn für Staunen gehört dazu. Man sieht das oft in Filmen wie zum Beispiel in dem Disney-Pixar-Film „Oben“. Da gibt es diesen ernsten, verschlossenen Mann und daneben die abenteuerlustige, süße, fröhliche Frau. Es gibt eine Schönheit und Freude, die nur Frauen haben.

In den Jahren der Corona-Pandemie etablierte sich der Hashtag #tradwife. Damit ist eine Frau gemeint, die nicht arbeiten gehen möchte, um sich ganz Kindern, Ehemann und Haushalt widmen zu können. Die sozialen Medien sind geflutet mit Profilen von Frauen, die Kochtipps geben, ihre Wohnungseinrichtung herzeigen und davon erzählen, wie glücklich sie sind, keinem Büro-Job nachgehen zu müssen. Viele Zeitungsartikel berichten sehr kritisch über diesen Trend. Frauen machten sich dadurch abhängig vom Mann und seien im Alter armutsgefährdet. Oft heißt es überdies, „tradwifes“ wollen die antifeministischen 1950er Jahre wieder auferstehen lassen und propagieren ein rechtsradikales Weltbild.

NIUS: Wie steht Ihr Magazin zum Feminismus?

Hugoboom: Wir sind nicht feministisch. Ich finde, Feminismus ist heute irgendwie lahm. Es ist nicht mehr populär, es ist eher cringe. Also nein, wir sind keine Feministinnen.

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