Alljährlich findet in vielen französischen Städten eine Vielzahl von Veranstaltungen unter dem gemeinsamen Titel „Fête de la Musique“ statt – so auch am vergangen Sonnabend. Seit Mitterrands Zeiten gibt es diese Institution in Paris. Und dazu gehörte einst auch das Streichquartett, das unvermittelt im Park sitzt und spielt. Das mag es noch geben. Doch die Realität ist weitgehend eine andere geworden. Namentlich die Hauptstadt wurde – dieses Mal mehr als in vorherigen Jahren – von Einwohnern aus den Vororten gestürmt, die teilweise das gesamte Straßenbild dominierten. Das ist nichts Neues mehr für Frankreich – es passiert an jeder größeren Feier.
Angeblich hatte der US-Musiker Joel Cohen als erster 1976 die Idee zu „Saturnalien der Musik“, die an der Sommer- und Wintersonnenwende in Paris stattfinden sollten. Saturnalien, dieser Karneval der römischen Antike, sind es wohl heute geworden.
Ebenfalls schon fast zur Gewohnheit sind die Gewalttaten, Schlägereien und anderen Delikte, die mit der massenhaften Präsenz gerade junger Migranten, meist aus Nord- und Subsahara-Afrika, einhergehen. Ein 17-jähriger Mann wurde auf dem Bordstein sitzend, mit einer Wunde im Bauch aufgefunden – ein Messerstich war offenbar vorausgegangen. Am Seine-Ufer gab es eine Prügelei zweier Gruppen, wobei ein junger Bärtiger, dessen Gesicht nun fleißig auf X publiziert wird, einer Frau gezielt gegen den Kopf trat. Auf manchen Videos ist man sich nicht sicher, ob noch getanzt oder schon attackiert und geprügelt wird. Manches erinnert an das Bewegungsschema des geübten Taschendiebes.
Mit anderen Worten: Die innere Sicherheit wird in solchen Nächten zur öffentlichen Unsicherheit. Was aber dieses Jahr besonders für Aufsehen sorgte, waren heimtückische Attentate mit kleinen Spritzen, in Diskotheken und auf der Straße, die innerhalb einer Nacht im gesamten Land zu 145 Anzeigen führten. Sogar das Überseeterritorium von La Réunion war betroffen. Das Dunkelfeld bleibt dabei naturgemäß unausgeleuchtet.
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