In Frankreich zeigt sich wieder einmal, wie dünnhäutig das europäische Machtmilieu reagiert, sobald irgendwo auch nur der kleinste symbolische Kratzer am Brüsseler Selbstbild entsteht. Zwei Bürgermeister des Rassemblement National haben in den vergangenen Tagen EU-Flaggen aus Rathäusern entfernen lassen.
Marine Le Pen stellte sich demonstrativ hinter sie und nannte den Schritt einen legitimen Ausdruck nationaler Souveränität und demokratischer Entscheidung. Mehr musste offenbar nicht geschehen, um in den Pariser Ministerien den üblichen Reflex auszulösen: Empörung, moralische Aufladung und das sofortige Framing jeder Abweichung als politische Verfehlung.
Den Anfang bei der Entflaggung machte Anthony Garénaux-Glinkowski, Bürgermeister von Harnes im Norden Frankreichs. Bei seinem Amtsantritt Ende März ließ er nicht nur die EU-Flagge, sondern auch die ukrainische Flagge entfernen. Wenige Tage später folgte Christophe Barthès, RN-Bürgermeister, der die EU-Flagge vor dem Rathaus von Carcassonne abhängen ließ. Barthès begründete den Schritt ausdrücklich mit nationaler Souveränität und erklärte, für ihn zähle allein die französische Trikolore. Klarer kann man die Priorität nicht setzen.
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