Journalisten lernen schon in Praktika, dass sie Passivsätze vermeiden sollen. Talentierte Journalisten verinnerlichen das schon spätestens ab ihrem dritten Beitrag: Mit Passivsätzen drückt sich der Autor. Er nennt nicht beim Namen, wer handelt. Also kann er die Handlung gar nicht scharf und präzise beschreiben, Entscheidendes muss im Nebel bleiben. Gute Journalisten vermeiden daher Passivsätze.
Der Bundeskanzler gibt im Bundestag eine Regierungserklärung zur Außenpolitik ab. Friedrich Merz (CDU) sagt: „Wir lassen es nicht zu, dass dieser Einsatz heute verächtlich gemacht wird und herabgewürdigt wird.“ Ein Passivsatz. Was und vor allem wen der Kanzler meint, wird nur im Kontext deutlich: Er antwortet auf den Präsidenten der USA, auf Donald Trump, der jüngst über die Bundeswehr spottete, ihre Soldaten hätten sich in Afghanistan nur im sicheren Hintergrund gehalten.
In der literarischen Welt von Harry Potter meiden die Zauberer, den Namen des Oberschurken Lord Voldemort auszusprechen. Sie behelfen sich mit „Du weißt schon, wer“ oder „Der, dessen Namen nicht genannt werden darf“. Die Autorin JK Rowling verspottet damit die Feigheit der Mehrheit und lässt ihr Alter Ego Albus Dumbledore vor den Folgen dieser Feigheit warnen: „Angst vor einem Namen steigert nur die Angst vor der Sache selbst.“
ANGST IN ANKARA: Gutes Gespräch mit Putin ‒ Was hat Trump auf NATO-Gipfel vor? | WELT LIVESTREAM











