Vielleicht erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit und eine sehr einfache Regel, die man spätestens in der zweiten Klasse gelernt hat: Klassensprecher werden immer die beliebtesten Schüler. Zwei Leute müssen es machen, es sieht schon auf dem Zeugnis gut aus, das gesamte Schuljahr bedeutet dieses Ehrenamt, dass man vielleicht zweimal zum Sekretariat laufen muss, weil der Lehrer nicht kommt. Niemand hat ein Programm oder eine Agenda, weil man eigentlich nichts machen muss.
Das gleiche Prinzip lässt sich aber nicht ohne Weiteres auf das Amt der Schulsprecher übertragen. Einmal im Jahr rennt eine Gruppe von vier bis zehn Schülern durch die Klassen und stellt sich vor. Sie versprechen Sachen wie mehr Fahrradständer oder einen Winter-Ball, und das ist das letzte Mal, dass man sie jemals wieder sieht. Ich habe mich für keine der Wahlen jemals interessiert. Bis ich in die Oberstufe kam. An unserer Schule durfte man sich erst als Oberstufenschüler zur Wahl stellen. In unserem Jahrgang war da absolut niemand scharf drauf.
Also meldeten sich zwei Jungen aus meiner Klasse. Eine Schlüsselszene in meinem Leben. Wenn die Schulsprecherwahl 2017 nicht so abgelaufen wäre, wie sie abgelaufen ist, wer weiß, wo ich heute wäre – wer ich heute wäre. Die beiden Jungen, die sich zur Wahl stellten, waren zwei der unsympathischsten Menschen, die ich in meinem damaligen Leben jemals kennengelernt habe.
ANGST IN ANKARA: Gutes Gespräch mit Putin ‒ Was hat Trump auf NATO-Gipfel vor? | WELT LIVESTREAM











