Wie eine Gleichstellungsstelle ein ganzes Volksfest umerziehen will

vor etwa 2 Monaten

Wie eine Gleichstellungsstelle ein ganzes Volksfest umerziehen will
Bildquelle: Tichys Einblick

Es ist das älteste Bierfest der Welt: Seit 1755 feiern die Menschen in Bayern und Besucher aus aller Welt die Erlanger Bergkirchweih. Das Volksfest rund um die historischen Felsenkeller in der mittelfränkischen Stadt hat im vergangenen Jahr gerade sein 270. Jubiläum gefeiert.

Es ist ein traditionelles Volksfest. Man fährt auf die Bergkirchweih, um Bier zu trinken, um schief mitzusingen und um im Festzelt für ein paar Stunden den Ernst des Lebens zu vergessen.

Aber wo kommen wir denn hin, wenn die Leute sich freuen?

Das hat sich offenbar die städtische Gleichstellungsstelle von Erlangen gefragt – und nach einem Weg gesucht, dem Volksfest die Fröhlichkeit auszutreiben. Denn dazu sind solche Behörden ja schließlich da.

Also haben die drei Damen vom Amt zwölf sehr populäre Party-Hits auf den Index gesetzt. Nicht mehr gespielt werden sollen unter anderem „Layla“ von DJ Robin & Schürze und „Zehn nackte Friseusen“ von Mickie Krause. (Die vollständige Liste mit allen Texten finden Sie am Ende dieses Beitrags.)

Vom Bannstrahl der Gleichstellungsstelle getroffen wurde sogar ein absoluter Klassiker der Neuen Deutschen Welle aus dem Jahr 1981: „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang.

Die bayerischen Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, Gleichstellungsbeauftragte zu benennen. In Erlangen mit seinen 120.000 Einwohnern sind das die Sozialgeographin Nora Hahn-Hobeck und die Politologin Réka Lőrincz. Ihre Stellvertreterin ist die Sozialarbeiterin Denise Herbolsheimer.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, sich vorzustellen, wie die drei Damen dann da in einem Büro sitzen und sich berufsmäßig Ballermann- und Après-Ski-Lieder anhören, um problematische Textstellen zu katalogisieren wie mittelalterliche Inquisitoren auf Ketzerjagd. Irgendwo in Erlangen läuft also den ganzen Arbeitstag lang „Olé, wir fahr‘n in‘ Puff nach Barcelona“, während parallel geprüft wird, ob dadurch die Zivilisation untergeht.

Spoiler: Das tut sie nicht. Was untergeht, ist die freiheitliche Gesellschaft.

Denn natürlich findet man am Ende immer irgendetwas Anstößiges. Wer lange genug in Liedtexten nach moralischer Verfehlung sucht, entdeckt irgendwann selbst im Ententanz strukturelle Diskriminierung. Dann bewaffnen sich die selbsternannten Geschmackspolizistinnen in Erlangen mit Textmarkern und schreiben Listen mit musikalischen Sündenfällen.

Offiziell handelt es sich angeblich nicht um eine Verbotsliste. In einem Schreiben an die Wirte der Bergkirchweih mahnt die Gleichstellungsstelle, „gemeinsam eine respektvolle Atmosphäre und sicheres Feiern“ auf dem Volksfest (21. Mai bis 1. Juni) zu ermöglichen. Gemeinsam müsse man dafür sorgen, „dass sich alle Gäste und Mitarbeitenden auf dem Berg wohl und sicher fühlen“. Dann folgt die Liste mit den indizierten Songs, und dann heißt es:

„Bitte achten Sie darauf, dass diese Titel bei der Veranstaltung nicht gespielt werden.“

Auf dieser schiefen Ebene geht es immer nur noch weiter bergab. Heute sind es noch Appelle. Morgen sind es dann schon Bedingungen für Fördermittel. Und übermorgen braucht jedes Volksfest ein „Awareness-Konzept“ samt kulturellem Verhaltenskodex.

Es ist die altbekannte Methode moderner Bevormundungspolitik:

Erst erklärt man eine Geschmacksfrage zum politischen Problem. Dann erklärt man die Bevölkerung für zu unreif, um das Problem zu lösen. Am Ende schwingt sich irgendein Amt zum Zensor auf und spielt Gouvernante mit Trillerpfeife.

Und plötzlich schwebt der moralinsaure Zeigefinger im Bierzelt und schraubt an der Playlist.

Das alles hat es schon gegeben. Die puritanische Bewegung im England des 17. Jahrhunderts hatte ebenfalls Freudlosigkeit als zentralen Programmpunkt. Auch dort galt harmloses Vergnügen als verdächtig. Gesang, Alkohol, Tanz, zweideutige Witze – alles stand unter staatlicher Beobachtung. Die Puritaner behaupteten, das Leben „sittlicher“ zu machen. Heraus kam eine autoritär kontrollierte Gesellschaft voller Verbote, Überwachung und Strafe.

Ein Alptraum. Genau den träumt heute der Großteil der deutschen Gleichstellungsbürokratie.

Wann genau hat Deutschland eigentlich beschlossen, dass sich Millionen Menschen permanent nach der maximalen Empfindlichkeit kleinster Minderheiten richten müssen? Ein Volksfest mit einer Million Besuchern soll reguliert werden, weil einzelne Besucher sich (vielleicht) an bestimmten Liedern stören?

Wieso bleiben die nicht einfach zuhause?

Es geht ja nicht um Gewalt, nicht um Schlägereien, nicht um Kriminalität. Es geht um Refrains, die teilweise seit Jahrzehnten auf Bierbänken gesungen werden. Natürlich kann man die mit einiger Berechtigung albern finden oder auch geschmacklos. Aber man kann sie auch genau wegen ihrer hemmungslosen Blödheit lieben. Nicht jedes kulturelle Erzeugnis muss pädagogisch wertvoll sein.

Das nennt man Freiheit.

Volksfeste sind keine therapeutischen Schutzräume. Sie sind laut, chaotisch, peinlich, vulgär – und gerade deshalb beliebt. Menschen gehen dorthin, um für ein paar Stunden nicht maximal angepasst und moralisch gehemmt herumlaufen zu müssen wie in einem Diversity-Workshop der Stadtverwaltung.

Die Gleichstellungsstelle rechtfertigt ihren Vorstoß unter anderem damit, dass bestimmte Textbotschaft angeblich „Grenzüberschreitungen verharmlosen“.

Ja, und?

Die Vorstellung, dass Besucher eines Volksfests wegen eines rüden Party-Hits plötzlich kollektiv ihre moralische Grundorientierung verlieren, ist ungefähr so plausibel wie die Behauptung, dass Leser von Kriminalromanen automatisch zu Bankräubern werden.

Wir sollten das nicht widerstandslos hinnehmen.

Wir sollten nicht hinnehmen, dass dubiose Staatsbeauftragte die gesellschaftlichen Freiheiten immer weiter zugunsten jener Menschen einschränken, die sich möglichst schnell möglichst stark gestört fühlen. Die Mehrheit soll sich anpassen, weil eine Minderheit sich unwohl fühlt? Nein. Denn das Ergebnis ist eine Gesellschaft, die nur noch auf Zehenspitzen geht.

Zudem ist die Empörung irrwitzig asymmetrisch. Gewaltverherrlichender Gangster-Rap? Kein großes Thema. Offene Pornografie in Sozialen Medien? Achselzucken. Frauenverachtung in migrantischen Macho-Kulturen? Vermintes Terrain, lieber großräumig umfahren. Aber wehe, irgendwo grölt ein Bierzelt „Layla“. Dann marschiert sofort die Moralpolizei auf.

Unsere saturierte deutsche Staatskaste liebt solche Kämpfe. Sie kosten wenig, bringen viel Aufmerksamkeit und signalisieren moralische Überlegenheit. Und man kann vom eigenen Versagen bei den echten Problemen draußen ablenken: Wohnungsnot, Gewaltkriminalität, Wirtschaftskrise.

Stattdessen befasst man sich im Rathaus mit „Zehn nackten Friseusen“.

Die Leute haben davon gestrichen die Nase voll. Kultur ist keine Staatsaufgabe und muss nicht vom Amt beaufsichtigt werden wie ein Chemie-Experiment vom Lehrer. Denn natürlich kennen die Menschen sehr genau die Grenze zwischen einem besoffenen Party-Hit und echter Frauenfeindlichkeit.

Der Eine liebt Goethe, der Andere grölt Mickie Krause. Der Eine hört Mozart, der Andere „Layla“. Das Land zerbricht daran nicht. Im Gegenteil: Es wird dadurch lebendig.

Die Spider Murphy Gang hat inzwischen reagiert. Manager Jürgen Thürnau sagte den „Nürnberger Nachrichten“:

„So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört.“

Und damit ist auch wirklich alles gesagt.

„Baby Bell“ (Breitner)

Zieh dich aus wie ’n Babybel Und dann, Baby, Baby, bell Wa-wau, wau, wau, wa-wau Zieh dich aus wie ’n Babybel Und dann, Baby, Baby, bell Wa-wau, wau, wau, wa-wau.

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Scheiß auf Katzen, wir lieben Hunde Vielleicht Doggy mitten in der Runde Mein Kopf so rund wie ’n Babybel Bin nicht sehr hell, aber komm dafür schnell Alle Katzen machen jetzt miau-au-au Und alle Hunde machen dafür wau, wau, wau.

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Zieh dich aus wie ’n Babybel Und dann, Baby, Baby, bell Wa-wau, wau, wau, wa-wau Komm schon, Baby, nächste Runde Heute sind wir willig, Schäferhunde Mir wird zu heiß, ich fang an zu sabbern Würd auf Malle jetzt gern Wodka-Lemon schlabbern.

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