Wer in diesen Wochen Edelmetall erwirbt, fällt zugleich ein Verdikt über seine Währung. Dabei kann es sich um eine bewusste Portfolioentscheidung handeln oder auch um den nicht näher spezifizierten Wunsch, eine monetäre Versicherungspolice zur Hand zu haben. Man weiß ja nie, was kommt.
Auch Goldschmuck oder motivische Silbermünzen sind ästhetisch ansprechend und reizen unseren Sammlerinstinkt. Was private Käufe und das massive Horten von Goldbeständen durch Zentralbanken gemeinsam haben, ist ihr geldpolitischer Hintergrund.
In ehrlichen Momenten wissen wir mit Blick auf die grassierenden globalen Staatsschulden und sich aufschaukelnden geopolitischen Konflikte, dass unser Geldsystem vor schweren Turbulenzen steht. Vielerorts wurde der fiskalische Rubikon längst überschritten. Mit Staatsschuldenquoten von weit über 100 Prozent – wie in den USA, in China und in zahlreichen europäischen Staaten – wird nur noch die massive Ausweitung der Geldmenge die Zahlungsfähigkeit der öffentlichen Hand sicherstellen können.
Dies geschieht auf Kosten der Kaufkraft jener, die auf Bargeld vertrauen. In diesem Kontext ist es interessant zu wissen, dass die Deutsche Bundesbank den zweitgrößten Goldschatz unter den weltweiten Zentralbanken hortet.
3.350 Tonnen Gold mit einem Marktwert von rund einer halben Billion Euro verteilen sich zur Hälfte auf die Tresore der Bundesbank in Frankfurt, zu 37 Prozent auf die New Yorker Federal Reserve und zu etwa 13 Prozent auf einen Lagerplatz in der City of London. Es ist eine Erbschaft aus dem alten Bretton-Woods-System, in dem die Goldlagerung in der Nähe der globalen Handelsplätze organisiert war.
Und die Zeit rückt näher, die im Ausland gelagerten Reserven wieder in die Heimat zu überführen. Denn in einem fragilen Währungssystem ist Vorsorge kein Alarmismus, sondern reiner Selbstschutz.
Das muss sich auch Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni gesagt haben. Sie arbeitet unter Hochdruck daran, die Goldreserven der italienischen Zentralbank formell auf den Staat zu übertragen – ein Schritt, der einem offenen Misstrauensvotum gegenüber der Europäischen Zentralbank gleichkommt.
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