Eines stimmt: Es ist eher eine „schleichende Gewichtsverlagerung“, wie es der evangelische Religionspädagogik-Professor Andreas Kubik-Boltres an der Universität Osnabrück ausdrückt. Der niedersächsische Religionsunterricht sah schon vor Jahren, vor Jahrzehnten sogar ganz ähnlich aus. Der Autor hat da eigene Erfahrungen machen dürfen. In der gymnasialen Oberstufe ging es im evangelischen Religionsunterricht jeweils ein ganzes Semester lang um den Buddhismus, die heidnische Antike oder auch um die Ethik des Journalismus. Vielleicht war der Lehrer ein verhinderter Standeskollege, aber offenbar gab der Lehrplan schon damals so einiges her.
Heute sind wir einen Schritt weiter. Die geistige Auszehrung der Amtskirchen hat offenbar dabei geholfen: In Niedersachsen steht eine Lehrplanreform auf dem Menü, ausgeheckt hat sie die grüne Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Der neue Lehrplan wird nötig, weil es in Niedersachsen nun nicht mehr nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht geben soll, sondern nur noch das Fach „Christliche Religion nach evangelischen und katholischen Grundsätzen“, kurz auch Christliche Religion oder Christlicher Religionsunterricht (CRU). Im September unterzeichneten die evangelischen Kirchen und katholischen Bistümer eine entsprechende Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen. Man gab sich da noch Illusionen hin oder ermutigte die Relativierung. Der katholische Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer, sagte: „Das neue Fach bietet jungen Menschen Orientierung durch das gemeinsame und zugleich vielfältige Zeugnis christlicher Werte.“
Dann ist es allerdings um so merkwürdiger, was jetzt die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet hat: Im neuen Lehrplan für das neue Fach gibt es 130 verbindliche Themen, die von der fünften bis zur zehnten Klasse behandelt werden sollen. Aber nur fünf davon befassen sich mit Jesus Christus, dem allseits anerkannten Zentrum der christlichen Religion.
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