Kenner britischer Komödien kennen Ricky Gervais aus Serien wie „The Office“ und „Extras“, als netten, knuddeligen, aber oft zynischen Charakter, den man aber irgendwie ins Herz schließt. Aber man hat immer das Gefühl, dass – wie bei den meisten Menschen – ein Engelchen und ein Teufelchen auf seiner Schulter sitzen. Dem Engelchen wurde nur unlängst was in den Drink geschüttet, also ist es nur dafür zuständig, dass er ruhig und nett redet und so rüberkommt, wie der nette Onkel von nebenan. Das Teufelchen ist für die Inhalte verantwortlich.
Und so ist es auch bei seinem neuen Netflix-Special „Mortality“, in dem Gervais durchaus zeigt, dass er die Grenzen des guten Geschmacks bestens kennt. Und sie gezielt durchbricht, mit einem Humor, bei dem das Lachen in der Kehle steckenbleiben will (unser eigenes Engelchen), aber dann irgendwie und oft laut herausmuss. Was wir entweder unserem inneren Teufel oder dem inhärenten Humor zuschreiben müssen. Aber seien wir mal ehrlich: Jesus hat angeblich viel gesagt, aber man muss nicht bibelfest sein, um zu erkennen, dass nichts davon witzig war. Eine Party mit dem Teufel klingt lustiger.
Und das zeigt uns Gervais gleich von Anfang an, als er die Zensur gehörig auseinandernimmt. Denn selbst das sehr strenge britische Recht erkennt an, dass man nicht vor Gericht gezerrt werden kann, wenn man eine tote Person beleidigt – frei nach Stalins Matra, „keine Personen, kein Problem“. Was Gervais zu der durchaus legalen Aussage verleitet, dass Ghandi Spaß an Analsex hatte. Ein geschichtlich und moralisch etwas fragwürdiges Statement – aber nicht justiziabel. Zumindest weniger so, als würde man einen Wuschelkopf mit wenig unmittelbar unter der Haarkante als „Schwachkopf“ bezeichnen.
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