Am frühen Morgen: Hausdurchsuchung. Was in Deutschland längst zur schlimmen Methode geworden ist, erreicht am Donnerstagmorgen einen neuen Höhepunkt: Polizisten dringen in die Wohnung des Publizisten Norbert Bolz ein. Die Vorwürfe sind von vornherein lächerlich – und gerade deswegen gefährlich.
Wer Bolz kennt und sein Wirken verfolgt, seine Texte liest und seine Interviews und Fernsehauftritte anschaut, sieht einen klugen Mann, der Worte wohl überlegt und abwägt. Der gerade deswegen oft auch sehr pointiert schreibt und spricht. Auch bei harten Worten schwingt er immer das rhetorische Florett – nie den Vorschlaghammer.
Trotzdem – oder gerade deswegen – nimmt der Staat ihn jetzt ins Visier: weil er in einem Post auf X den Begriff „Woke“ mit der Nazi-Parole „Deutschland erwache“ verglich, rückte jetzt die Polizei bei ihm ein. Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Konkret schrieb Bolz: „Gute Übersetzung von ,woke‘: Deutschland erwache!“ Dabei bezog er sich auf einen Post der Zeitung taz, die dazu in den sozialen Medien verkündete: „Deutschland erwacht“ gegen Rechts. Die Staatsanwaltschaft wirft Bolz deshalb vor, er habe eine Nazi-Parole verwendet und sie sich damit zu eigen gemacht.
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