Die Nachricht kam zur besten Sendezeit: Fast pünktlich zur Tagesschau meldeten internationale Nachrichtenagenturen – ein Waffenstillstand in Nahost stünde unmittelbar bevor. Auf der einen Seite verhandeln Vertreter aus Israel und den USA sowie der Regierungschef von Katar miteinander. Mit der Hamas werden über Vermittler separate Gespräche geführt. Die Hamas erklärte, sie hoffe, dass die Verhandlungsrunde zu einem „klaren und umfassenden Abkommen“ kommen werde. Der israelische Außenminister Gideon Saar verwies auf die „echte Bereitschaft auf unserer Seite, ein Abkommen zu erreichen“.
Das alles konnte die „Tagesschau“ berichten. Mein gesunder Menschenverstand rief gegen den Fernseher: „Mensch, wie großartig! Jetzt kommen die Geiseln frei!“ Dann guckte ich – und stutzte. Wann wird denn über die Geiseln gesprochen? Wann schaltet die ARD nach Israel und fragt den Korrespondenten, wie es mit den Geiseln steht? Wann könnten sie freigelassen werden? Hat dieses lange perfide Warten auf die Geiseln endlich ein Ende?
Dann schaltete die ARD in den Nahen Osten. Keine Bilder aus Tel Aviv, keine aus Jerusalem. Der deutsche TV-Zuschauer wurde zu einem Interview nach Gaza geschaltet. Der Reporter fragte einen Palästinenser, was er denn von einem Waffenstillstand halten würde. Gefühlte 30 Sekunden. Dann noch ein Interview und noch eines. Ich dachte, ich bin im falschen Film. In einem Horrorfilm. Und die Geiseln, frage ich mich, was wird mit den israelischen und auch deutschen Geiseln? Kommen die nun endlich frei?
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