Zu Statistiken hat Winston Churchill ein für allemal alles Notwendige gesagt: Der britische Kriegspremier vertraute demnach nur den Statistiken, die er selbst gefälscht hat. Wenn also eine Institution wie der Verfassungsschutz eine Statistik vorlegt, ist entsprechende Vorsicht geboten. Eine Institution, von deren Präsident Thomas Haldenwang öffentlich eingeräumt hat, dass sie sich zuständig für die Aufgabe sehe, die Umfragewerte der AfD zu senken – bevor Haldenwang auch offiziell in die Politik gewechselt und dort dann kläglich gescheitert ist.
Wenn also der Verfassungsschutz veröffentlicht, dass die Zahl der Rechtsextremen von 20.000 auf 50.000 Menschen gestiegen sei, dann gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Die eine bietet sich an, wenn man als Medium selbst die Gefahren von rechts auf der Agenda hat. Dann kann man als Journalist Hand in Hand mit dem Inlands-Geheimdienst den Schwengel in die Hand nehmen und die Hysterieglocke läuten. Wenn man versucht, einen kühleren und klügeren Kopf zu bewahren, kann man Fragen stellen: Wie definiert der Geheimdienst rechtsextrem? Oder hat sich diese Definition verändert? Nur stellen die Journalisten der Bundespressekonferenz diese Fragen nicht, und der Verfassungsschutz gibt auch keine Antworten. Sie wollen beide den Schwengel der Hysterieglocke nicht lockerlassen. Davon hängen Planstellen und Karriere-Aussichten ab.
Und eine Zahl hat es in sich: Demnach verzeichnet der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr 60 Straftaten aus dem Bereich islamistischer Radikalismus. Diese gelten entweder als “Vorbereitung und Unterstützung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat oder als Mitgliedschaft in beziehungsweise Unterstützung einer ausländischen Terror-Vereinigung“.
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