Rainer Zitelmann, Autor vieler Sachbücher, legt sein Romandebüt vor: „2075 – wenn Schönheit zum Verbrechen wird“. In seiner Dystopie werden Menschen zur Zielscheibe, weil sie zu gut aussehen. Tichys Einblick sprach mit dem Autor über Ungleichheit, Neid – und die Angst der Deutschen, über Reichtum zu sprechen.
Tichys Einblick: Herr Zitelmann, Sie sind Autor von 30 Sachbüchern, etliche davon in mehrere Sprachen übersetzt. Was treibt Sie jetzt auf das ganz neue Feld der Belletristik?
Rainer Zitelmann: Sachbücher arbeiten mit Fakten und Argumenten. Aber damit erreicht man viele Menschen nicht. Mit einem Roman erhoffe ich, Menschen zu berühren, die ich mit meinen Sachbüchern nicht erreiche. Zudem hoffe ich, dass ein Film daraus wird (schönheit-2075.de).
Andererseits werden manche Leser Ihrer Sachbücher einwenden, dass sie generell keine Romane lesen. Was sagen Sie denen?
Das kann ich gut verstehen, weil ich auch seit Jahrzehnten keine Romane lese. 2075 ist ein Sachbuch aus der Zukunft. Mir hat neulich einer, der auch sonst keine Romane liest, gesagt: „Ich habe so viel daraus gelernt, wie aus mehreren Sachbüchern, nur dass es unterhaltsamer war.“ Das freut mich, und es ist auch irgendwo logisch. Denn ich habe den Historiker und Soziologen in mir ja nicht vergessen beim Schreiben, ganz im Gegenteil.
Ein Historiker schaut in die Vergangenheit, ein Soziologe meist auf die Gegenwart. Ihr Debütroman spielt aber in der Zukunft, nämlich 2075. Warum blicken Sie so weit in die Ferne?
Ich denke, Historiker können besser über die Zukunft schreiben als andere Menschen, weil sich Geschichte oft in ähnlicher Form wiederholt.
In dem Roman unterwerfen sich sehr viele der neuen Ideologie, dass Schönheit bestraft und am besten beseitigt werden sollte. Wie kommt es, dass erstaunlich viele Menschen bereit sind, sich Doktrinen zu beugen, von denen sie wissen, dass sie zerstörerisch sind?
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