Wer ein wenig älter ist, erinnert sich noch gut an den grünen Pazifismus, an Petra Kelly, einst das Gesicht der Friedfertigkeit. In ihrem ersten Wahlprogramm 1980 forderte die Partei die „Demontage“ der Bundeswehr und „die sofortige Auflösung der NATO“.
Gegen den Nato-Doppelbeschluss (1979), eine „Kombination aus Nachrüstung und Dialog“, gingen in Deutschland einst Millionen auf die Straße. Legendär die Demonstration in Bonn mit etwa 500 000 Teilnehmern. In der DDR und in der Bundesrepublik war man sich einig: ganz Deutschland würde im Fall des Falles zerstört werden. Diese Friedensbewegung war ganz im Sinne der Sowjetunion. Und in der Tendenz antiamerikanisch.
1991 kulminierte erneut die deutsche Angst vor einem dritten Weltkrieg, weiße Bettlaken hingen aus den Fenstern und man demonstrierte mit weißen Gesichtern gegen die drohende Auslöschung. Der Anlass: der erste Golfkrieg. 1990 eroberte der Irak unter Saddam Hussein Kuwait. Im Januar 1991 begann eine Koalition, angeführt von den USA und legitimiert durch eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, mit Kampfhandlungen zur Befreiung Kuwaits. Und dabei beließ man es zunächst auch, die Absetzung Saddam Husseins war nicht das Ziel.
Ich war damals der Meinung, dass man die Ölmacht Kuwait im eigenen Interesse nicht dem Irak überlassen dürfe. Das brachte mir den Ruf einer Bellizistin ein. Die politisch korrekte Parole hieß „Kein Blut für Öl“, „Interesse“ galt als schmutziges Wort und nicht als einhegendes Moment: man zerstört nämlich nicht, was man braucht.
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