Die Klagen über die gespaltene Gesellschaft sind vor allem eins: Beweis für ein gesichert gespaltenes Bewusstsein. Der neurotische Zustand der Klagenden ist daran zu erkennen, dass sie echte Gefahren übersehen und hysterisch auf vermeintliche Gefahren starren. In Wahrheit spaltet der permanente Ruf nach dem großen WIR – weil er Konsens verlangt. Zwanghafter Konsens aber umgeht notwendige Auseinandersetzungen, diskriminiert Andersdenkende.
Keine noch so schwachbrüstige Politiker/Pastoren/Moderatoren-Rede ohne das Wort „Zusammenhalt“. Es ist selbst ein nicht sehr elegant zusammengehaltenes Wortpaar. Zusammengehalten werden soll, was nicht zusammengehört. Zusammenhalt wird verwechselt mit: Alle haben mehr oder weniger die gleiche Meinung. Man sagt heute lieber Haltung statt Meinung. Weil Haltung moralischer klingt. Über Meinungen lässt sich streiten. Haltungen aber sind richtig oder falsch, gut oder schlecht. Der Haltungsvertreter beendet den Diskurs, ehe er beginnen kann. Denn das Wahre und Gute ist alternativlos. Die Gegenhaltung kann nur böse also unannehmbar sein. So funktioniert weder Demokratie noch „Zusammenhalt“.
Der Tell-Hut auf der Stange, den heute jeder grüßen soll, ist eine Kappe, auf der „Zusammenhalt“ steht. Es ist die wahre Autorität, der sich alle beugen sollen. Das große WIR feiert das Kollektiv, diffamiert Selbstdenker als Querdenker und nimmt dem Individuum die Freiheit. Damit sind vor allem die regierenden Parteien (plus die heimlich mitregierenden Grünen) hauptsächlich beschäftigt. Sie halten zusammen, obwohl sie nicht zusammengehören. Sie teilen die irrige Auffassung, dass die Wähler nur gefälligst „demokratisch“ wählen sollten und das Maul halten. Demokratisch ist für sie eine Haltung, die einzige erlaubte.
ANGST IN ANKARA: Gutes Gespräch mit Putin ‒ Was hat Trump auf NATO-Gipfel vor? | WELT LIVESTREAM











