“Die alte Regierung ist daran gescheitert”, steigt die Tagesschau online in ihren Text zum Haushalt ein. “Am Streit über ein paar Milliarden Euro im Bundeshaushalt ist vor wenigen Monaten die Ampel-Koalition zerbrochen”, der Tagesspiegel. Der Schwerpunkt der wohlwollenden Medien ist die Tat an sich. Sie wollen den SPD-Vorsitzenden als den Macher inszenieren. Die Schulden, die er macht, kommen an untergeordneter Stelle und auch erst nachdem sie als Akt der Tat geframt sind.
Dabei haben die Schulden, die Lars Klingbeil macht, das Zeug dazu, die Bundesrepublik auf Jahrzehnte zu prägen. Zum Schlechten hin. Wer den SPD-Vorsitzenden gut aussehen lassen will, kann folglich nicht mit den Eckwerten einsteigen. Sonst würde der Leser Klingbeil noch für den Finanzminister halten, der Deutschland in die Überschuldung führt. Bloß, weil er Deutschland in die Überschuldung führt. Da müssen Journalisten eingreifen. Ihr Zauberwort heißt nicht Abrakadabra sondern Einordnung, und aus dem Mann der Überschuldung wird so – Simsalabim – der Macher, der die Regierung nicht an “ein paar Milliarden Euro” scheitern lässt.
81,8 Milliarden Euro neuer Schulden will Klingbeil in diesem Jahr machen. 89,3 Milliarden Euro im nächsten. 850 Milliarden Euro bis zum Ende der Wahlperiode, wie der Verband der “Jungen Unternehmer” vorgerechnet hat. Da sind die ganzen Fonds und Nebenhaushalte noch nicht mitgerechnet. Als Vergleichswert: Der gesamte Bundeshaushalt lag 2024 bei 475 Milliarden Euro. Selbst der grün-rote Deutschlandfunk spricht angesichts dieser Werte in einer schwachen Stunde von einer “atemberaubenden Staatsverschuldung” und einer “Spekulation” der schwarz-roten Bundesregierung. Ein erstaunlich ehrlicher Gedanke.
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