Es gibt wieder Unruhe in Loosdrecht. Der Grund ist ein einfacher: Am Dienstag sind die ersten Asylmigranten in dem 9.350-Seelen-Dorf in Nordholland angekommen. Es sollen 15 Sudanesen sein, heißt es in unbestätigten Social-Media-Äußerungen. Am Ende könnten es über 100 Asylbewerber für das Dorf werden. Aber in dem Hauptort der Gemeinde Wijdemeeren sind sie nicht willkommen. Erst protestierten die Dörfler friedlich mit Fahnenschwenken und Feuerwerk. Später wurde die Stimmung angespannter. Feuerwerkskörper und Leuchtraketen flogen auf den leerstehenden Flügel des Gemeinderathauses, in den die illegalen Einwanderer einziehen sollten. Am Ende brannten die Büsche vor dem Gebäude. Polizisten und Feuerwehrleute bemühten sich, die Flammen zu ersticken. Einige Einheimische wollten sie daran hindern. Der Rathausflügel trug eindeutige Brandschäden davon. Das war die rote Linie, die die Loosdrechter überschritten haben.
Es soll angeblich eine vorübergehende Notfallunterkunft für neu angekommene Illegale werden. Aber schon im April war der Protest dagegen zum wirklichen Notfall geworden. Hunderte Einwohner versammelten sich immer wieder, um zu zeigen, dass sie nicht einverstanden waren mit der Einquartierung illegaler Asylmigranten in ihrem Dorf. Sie waren nicht gefragt worden, und das soll offenbar so bleiben. Der Bürgermeister ließ eine Notverordnung beschließen, angeblich weil gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei drohten. Den Beamten flogen Eier entgegen, angeblich auch Steine und Feuerwerkskörper. Schon am zweiten Protesttag im April kam es zu Festnahmen.
Daneben heißt es aber auch offen, dass man die Kontrolle behalten muss. Das war die treffendere Beschreibung. Man sieht auf Videos, wie Sonderkommandos der Polizei junge protestierende Männer wie Vieh mit Schlagstöcken traktierten, damit sie das Feld vor dem geplanten Migrantenheim räumen. Das waren unwürdige Bilder, die sich nun wiederholen. Der Ort ist erneut zum „Sicherheitsrisikogebiet“ erklärt worden. Sämtliche Fahrzeuge, die nach Loosdrecht fahren, werden kontrolliert. Aber auch in der Nachbargemeinde Hilversum ist man schon auf der Hut – denn die Proteste könnten sich ausweiten. Der niederländische Geheimdienst AIVD wurde eingeschaltet, wie die Zeitung NOS berichtet.
Diederick Volkers, Anführer der lokalen Partei „Dorp voor Dorp“ erklärt zum aktuellen Stand: „Wir sehen eine Verwaltung, die auf Basis von Macht und Gewalt ihre Politik durchdrückt. Wir sehen eine Bevölkerung, die sich daraufhin dagegen wehrt. Das Ergebnis ist der Scherbenhaufen, den wir hier sehen.“ Eine ältere Dame seit von der „riot police“ verprügelt und im Gesicht blutig geschlagen worden. Für Volkers belegt das ein „totales Verwaltungsversagen“.
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