Im nächtlichen Dunkel des polnischen Waldes herrscht bis auf das Knacken der Äste unter den Füßen fast vollständige Stille. Die Luft ist frisch und hat sich in den Abendstunden auf 14 Grad abgekühlt. Die Lichtkegel der Taschenlampen scannen abseits des Forstweges Baum für Baum, bis zwei von ihnen plötzlich ausscheren. Zusammen mit einem weiteren selbsternannten Grenzschützer nähert sich Milan über eine kleine Anhöhe seinem Ziel: einer wohl migrantischen Notunterkunft mitten im Wald.
Eine Rettungsdecke, gesammelte Äste, Moos und Müll: Viel ist es nicht, was vermutlich Migranten bei ihrem nächtlichen Aufenthalt im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen hinterlassen haben. Doch Funde wie dieser seien an der Tagesordnung, sagt Milan, der aus Anonymitätsgründen nicht nur sein Gesicht mit einer Sturmhaube verdeckt, sondern auch seinen Nachnamen nicht offenlegen möchte.
Die Überreste des nächtlichen Lagers
Er ist einer der privaten Grenzschützer, die sich im Zuge der „Ruch Obrony Granic“ (zu Deutsch: Bewegung zum Schutz der Grenzen) seit einigen Wochen überall an den Staatsgrenzen zu Deutschland und Litauen versammeln – in seinem Fall bei dem kleinen polnischen Dorf Lubiszyn in der Nähe von Stettin. Sie beobachten laut eigener Aussage nicht nur das Vorgehen der eigenen Grenzbeamten, sondern unterstützen diese ebenso dabei, illegale Migranten in den Wäldern aufzuspüren.
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