Bayern steigt aus dem Ludwig-Erhard-Gipfel aus. Die Staatskanzlei zieht ihre Schirmherrschaft zurück, sagt Termine ab, der Staatsempfang erst einmal perdu. Das alles wird verpackt in warme, relativierende Parteifreundworte. Aber dennoch Ausdruck von Herrn Söders Gespür für Windrichtungen. Der Tegernsee-Event war jahrelang das Schaufenster eines Machtmodells: Nähe und Drehtür zwischen Politik, Konzernen und Medien, gerahmt von staatlicher Kulisse. Jetzt ist die Kulisse ein zu großes Risiko.
Der zweite (deutsch zu spät erfolgte) Einschnitt: Wolfram Weimer tritt seine Anteile an der Weimer Media Group ab. Eingetragen am 30. Dezember 2025 beim Amtsgericht München, HRB 198201. Der neue Anteilseigner ist kein Unbekannter: Peter Kersting. Kersting ist allerdings kein externer Käufer, kein unabhängiger Sanierer, sondern der Mann, der Weimers Geschäft seit Jahren operativ führt. Kersting kommt aus dem inneren Kreis des deutschen Medienbetriebs. Stationen bei Springer und Burda, also aus demselben Beritt wie Weimer auch. Später als General Manager der Weimer Media Group, zuständig für (im Weimerschen Großmannsprech für Potemkinsche Mediendörfer-Sammelsurium) Expansion, Struktur, Monetarisierung. Genau dieser Manager wird jetzt also Eigentümer, auf Zeit. Weimer verschwindet erstmal aus dem Register, nicht aber aus der Architektur. Frau Weimer gehören weiterhin 50 Prozent. Eine kosmetische Haftungsverschiebung, die kaschieren und retten soll, was noch zu retten ist.
Für Bayern kam diese Meldung jedoch schon mal zu spät – too little, too late.
Diese beiden Schritte stehen auf einer Zielgeraden einer langen und immer länger gewordenen Affärenkette, die längst kaum mehr überschaubar ist. Zentral ist, dass die Weimer Media Group mit substanziellen Vorwürfen wegen massiven Urheberrechtsverletzungen konfrontiert ist. Aufgedeckt wurde das nicht von staatsnahen Redaktionen, sondern von neuen, freien Medien, in diesem Fall von Alexander Wallasch. Der nun wiederum selbst Gegenstand von Arbeitsgruppen von Landesmedienanstalten ist, u.a. auch mit Weimer-Nähe. Man trifft sich, man kennt sich, man hilft sich. Wallasch wird drangsaliert und in der weiteren Geschäftstätigkeit massiv behindert. Das Ziel ist hier offenbar die erzwungene Einstellung seiner journalistischen Arbeit.
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