Für den deutschen TV-Journalismus war es ein besonderer Moment der Fremdscham: Da steht ein Außenreporter der Tagesthemen neben dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, der gerade in ein paar andere Fernsehkameras spricht. Und was macht Reporter Hagen Tober? Getreu dem Motto „Hoppla, jetzt komm ich“ steht er nicht nur laut redend direkt neben Rainer Haseloff, so dass er die Aufnahmen seiner Kollegen zerschießt. Mehr noch: Plötzlich entschließt er sich – „Das geht nicht anders“ – dem Landesvater einfach mitten im Satz sein Handy hinüberzureichen. „Wir sind grad live auf Tagesschau“, sagt Tober. „Ingo Zamperoni würde Ihnen gern Fragen stellen.“ Haseloff ist sichtlich irritiert, man spürt seinen Widerwillen, doch als er verinnerlicht, dass da ganz Deutschland oder was man eben so dafür hält, in diesem Moment zuschaut, ist der Wille gebrochen. Der Mi-nisterpräsident lässt alle übrigen Kameras stehen und wendet sich der ARD zu. „Hier ist die Kamera“, sagt Tober. „Ja, ist ok…Haseloff, grüß Sie.“ Zamperoni übernimmt, die anderen müssen in die Röhre schauen.
MDR-Reporter Hagen Tober ist eigenen Angaben zufolge seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Es dürfte wohl kaum eine besondere Aufregung gewesen sein, die ihn zu dieser ebenso stillosen, unkollegialen wie unhöflichen Vorgehensweise getrieben hat. Schon vorher hat er so laut gesprochen, dass die Kollegen der übrigen Sender zwangsweise alles mitaufnehmen mussten, was Tober gerade mit Zamperoni im Studio besprach. Als er ihnen jetzt mit dem Verweis auf die eigene Live-Schalte ihre Interviews zerstört, sind die Kollegen entsprechend aufgebracht. „Wir sind alle live“, ruft einer fassungslos.
Bei MDR-Reporter Tober gehört das Burschikose offenbar zum Berufsbild. Wenn er den Fernsehzuschauern den Ablauf des Attentats beschreibt, dann muss der Täter „da reingekachelt sein“ und habe Fußgänger „übern Haufen gefahren“.
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