Für Friedrich Merz ist jede Woche im Amt inzwischen eine neue K.-o.-Runde. Sein politisches Kapital hat er, da sind sich so ziemlich alle Beobachter einig, innerhalb eines Jahres völlig aufgebraucht. Dass der Kanzler eher früher als später gehen wird, glauben viele. Nicht das Ob, sondern das Wann ist die Frage, die Berlin und das Land umtreibt. Wie aber sollte das funktionieren – den Kanzler austauschen? Ein politischer Putsch?
Das Unwahrscheinlichste vorweg: Friedrich Merz könnte immer noch eine Eingebung ereilen, die ihm sagt: Du kannst es nicht. Ob aus Einsicht oder durch innerparteilichen Druck – nähme er seinen Hut selbst, wäre das wohl das stabilste Kanzlerwechsel-Szenario. Die Koalition müsste sich bloß auf einen Nachfolger aus den Reihen der Union einigen.
Es wäre ungewöhnlich, aber kein Novum: Willy Brandt schied so zugunsten Helmut Schmidts aus dem Amt. Vordergründig war die Guillaume-Affäre der Grund: Günther Guillaume, der enge Vertraute und Bürochef von Brandt, war als DDR-Spion enttarnt worden. Tatsächlich spielten aber auch die persönlichen Probleme Brandts eine Rolle, der an schweren Depressionen gelitten haben soll, mit Frauengeschichten auffiel und dem Amt wohl insgesamt nicht mehr gewachsen war. Schließlich war es maßgeblich SPD-Fraktionschef Herbert Wehner, der Brandt zu Fall brachte. Jens Spahn könnte sich Notizen machen.
Wer aber wäre in so einem Szenario der Helmut Schmidt – der Merz-Nachfolger, der aus dem Kabinett ins Kanzleramt aufrückt? Es müsste jemand sein, dem auch der Koalitionspartner vertraut – und jemand mit Erfahrung. Zum Vergleich: Als Schmidt 1974 Kanzler wurde, hatte er bereits als Finanz- und Verteidigungsminister Regierungserfahrung im Bund gesammelt, ganz zu schweigen von dem Mythos, den er als Hamburger Innensenator während der Sturmflut 1962 um sich geschaffen hatte.
So einen gibt es im Kabinett Merz kaum. Unter den Unionsministern ist es einzig und allein Alexander Dobrindt, der überhaupt auf nennenswerte Regierungserfahrung verweisen kann – im Kabinett Merkel war Dobrindt ab 2013 Verkehrsminister.
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