Muss das Thalia Theater jetzt abgerissen werden?

vor 4 Monaten

Muss das Thalia Theater jetzt abgerissen werden?
Bildquelle: Apollo News

Seit die Zeit Mitte der Woche berichtete, welche Schäden der „Prozess gegen Deutschland“ von Milo Rau im Hamburger Thalia Theater hinterlassen hat, sehen sich die Betroffenen weitläufig Häme aus dem rechten bis rechtsextremen Lager ausgesetzt. „Man hört, es seien Tränen geflossen“, heißt es in Berufung auf eine Mitarbeiterin des Theaters im Bericht der Zeit – „weil Rechtspopulisten auf denselben Stühlen saßen, dieselbe Garderobe benutzten und das Theater, ihr Theater, beschmutzt haben.“ Was für andere ein Anlass zur Schadenfreude ist, ist für die Menschen, die in dieser Kulturstätte ihren emotionalen Safe-Space gefunden haben, bitterer Ernst. Wir haben uns im Reportereinsatz vor Ort begeben, um selbst zu sehen, welche Konsequenzen man aus dem Desaster nun ziehen wird.

Es ist nun fast einen Monat her, seit es geschehen ist. Was – das will man hier nicht aussprechen, zu tief sitzt noch der Schock. In den sonst so heiteren Gängen, Sälen und Hallen des Thalia Theaters herrscht jedoch unausgesprochene Einigkeit darüber, dass nun erst mal nichts mehr so sein wird, wie es war. Fast einen Monat später findet nun in dem Saal, in dem es geschah, etwas statt, das auf den ersten Blick wie ein weiterer Schauprozess wirken könnte. In einem Stuhlkreis vor einem einberufenen Komitee des Theaters sitzen verstörte Menschen. Die Klappstühle sind eigens für diesen Zweck vom anliegenden Intersektionalen Queerfeministischen Heuschreckenzüchterverein „Grille statt Grillen e.V.“ angemietet worden – wie die Vorsitzende des Komitees den Anwesenden eingangs mehrmals versichert hatte, war die absolute Nazifreiheit der Stühle vertraglich garantiert worden.

Doch was sich hier abspielt, ist kein Prozess, es ist auch nicht zur Schau. Bei dem Komitee handelt es sich um die Arbeitsgruppe „Bewältigung und Erneuerung“, welche Stammgäste, die zu der Aufführung im Theater gewesen sind, zur Zeugenvernehmung geladen hat. Das Komitee setzt sich zusammen aus der Vorsitzenden Anna Böring aus der Geschäftsführung des Theaters, dem Forensiker Udo Molker, der Datenanalystin Kerstin Möller, dem Diplom-Ingenieur Balduin Schmidt und der Psychiaterin Elke Albers (die Namen wurden von der Redaktion selbstverständlich geändert). Ziel der Arbeitsgruppe ist es, die Spuren der Rechtspopulisten sorgfältig und zuverlässig zu beseitigen, um wieder ein sicheres und unbeschmutztes Umfeld für die Stammkundschaft zu schaffen. Leichter gesagt als getan.

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