In den sozialen Medien legt die Journalistin Katharina Schmieder unter dem Namen critical cat handwerkliche Fehler öffentlich-rechtlicher Berichterstattung offen. Dabei bleibt sie sachlich und trennt ihr berufliches Schaffen von ihrer Tätigkeit auf X und YouTube, die sie als „hobbymäßig“ beschreibt. Dementsprechend überrascht ist sie, als sie eine Mail ihres ehemaligen Arbeitgebers erhält: Der SWR schreibt an ihre private Mailadresse und fordert Informationen über ihre nicht unter Klarnamen geführten Kanäle an. Hintergrund sei eine Recherche zu „rechten Influencern [und] Hass im Netz“. Schmieder entscheidet sich für die Flucht nach vorn und macht den Vorgang öffentlich.
Tichys Einblick: Frau Schmieder, auf ihren Social-Media-Kanälen widmen Sie sich handwerklichen Fehlern beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Was genau decken Sie auf?
Katharina Schmieder: Mir geht es vor allem um die sogenannten Zufälle, wie das bei uns im „Fachjargon“ heißt: Damit ist gemeint, dass zum Beispiel Mitarbeiter des ÖRR oder Politiker im politischen Kontext auftreten, also zum Beispiel bei Demonstrationen, aber nicht in ihrer Position gekennzeichnet werden. Der Zuschauer weiß dann nicht, mit wem er es hier zu tun hat. Es gibt Videos vom ÖRR selbst, in denen erklärt wird, wie wichtig es ist, dass die Funktion oder das Amt einer Person auf der Bauchbinde steht – so nennt man die Einblendung unten im Bild, die Informationen über den Interviewpartner anzeigt.
Übrigens hat Tichys Einblick auch bereits eine meiner Recherchen aufgegriffen, darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte da zum Thema „Demokratie leben!“ nachvollziehen wollen, wo das Geld hingeht, und unter anderem herausgefunden, dass ein Format von Funk, das GEZ-finanziert ist, zusätzlich Steuergelder erhalten hat. „Datteltäter“ hieß das Format.
Sie waren selbst zwei Jahre lang als Redakteurin beim SWR tätig. Haben Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen dort angefangen, die Berichterstattung des ÖRR kritisch zu hinterfragen?
Zu diesem Thema bin ich erst nach meinem Ausstieg beim ÖRR gekommen. Ich habe zwar schlechte Erfahrungen beim SWR gemacht, aber das kann auch bei anderen Sendern oder in anderen großen Unternehmen passieren. Wenn ich in Talks zu Gast war, habe ich zwar kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich bei der ARD gearbeitet habe, ich habe aber nie explizit den SWR erwähnt: Mir ist wichtig, dass es bei meiner Kritik nicht darum geht, wegen schlechter Erfahrungen bei einem früheren Arbeitgeber nachzutreten oder jemanden an den Pranger zu stellen.
Mir geht es schlicht und einfach um Fehler im Programm; und je mehr ich da eingestiegen bin, desto mehr habe ich ganze Phänomenbereiche entdeckt, die ich jetzt sozusagen analytisch behandle.
Das ist handwerkliche Kritik, was diese Zufälle betrifft, und diese Kritik bringe ich betont sachlich an, trocken, geradezu spröde: Ich poste eine Bildcollage, auf der die Person zu sehen ist, die „zufällig“ im Fernsehen auftaucht. Dazu liefere ich den Beleg, wer diese Person ist, also zum Beispiel das Amt oder die Parteizugehörigkeit: „Der im NDR interviewte Experte ist Grünen-Politiker“, beispielsweise.
Sie machen deutlich, dass es Ihnen nicht um ein Nachtreten geht. Erlauben Sie mir trotzdem die Frage: Wie war die Atmosphäre beim SWR? Haben Sie dort Meinungshegemonie und Haltungsjournalismus erlebt?
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