Der größte Vorteil, bei der Vorstellung eines neuen Papstes dabei zu sein? Keine Medien, keine Experten, keine Dauerkommentare in den sozialen Netzwerken verschleiern den Blick. Die Internetstörungen zum Zeitpunkt des Konklaves schotten von den Einordnungen ab. Stunden später, daheim, prasseln die Nachrichten erst ein. Ist Leo XIV. ein Linker? Hat er nicht Trump kritisiert? Hat er Missbrauch vertuscht? Unterstützt er die Globalistenagenda?
Um Katholik zu sein, muss man ein Stück weit ein mittelalterlicher Bauer sein. Das mag aufgeklärte Geister schrecken. Aber es bedeutet eine gewisse Sturheit und der Blick für das, was vor einem liegt, und nicht auf das, was Elite und journalistisch-akademischer Apparat wollen, was man darüber zu denken hat. Giovannino Guareschi lässt eine seiner Figuren bei der Einführung der Messe der Volkssprache in Don Camillos Kirche sagen: Glauben die da oben wirklich, dass Gott kein Latein mehr versteht? Manchmal ist das, was man auf den ersten Blick für Ignoranz hält, eigenständiges Denken.
Auf dem Petersplatz sorgte das freudige Gefühl über den weißen Rauch und die einnehmende Stimmung zwischen Geläut und Jubel insbesondere bei den konservativen Experten kurz für eine gewisse Stille, als der Name „Prevost“ fiel. Denn erst einen Tag zuvor hatte das Gerücht die Runde gemacht, exakt dieser Kardinal würde von den „Progressiven“ als Kandidat gehandelt. Käme also nun Franziskus II.? Eine erste Entspannung trat ein – insbesondere beim Autor dieser Zeilen –, da der Papstname fiel: Leo.
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