Polens Präsident Karol Nawrocki gedenkt am 11. Juli in Radruż der Opfer der Wolhynien-Massaker. Viele hoffen, dass die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine nicht eskalieren. In den Jahren 1943 bis 1945 ermordeten Angehörige der UPA bis zu 120.000 polnische Zivilisten. Vor einigen Wochen verlieh Präsident Wolodymyr Selenskyj einer Spezialeinheit den Namen „Helden der UPA“ und sorgte in Warschau für Entrüstung.
Der seit einigen Wochen dauernde Konflikt zwischen Warschau und Kiew zeigt, wie schwer historische Schuld und aktuelle Kriegsbündnisse miteinander vereinbar sind. Die Republik Polen bleibt ein von vielen Ukrainern bevorzugter Zufluchtsort. Hier leben und arbeiten sie, erlernen rasch die polnische Sprache, fühlen sich wohl. Außerdem gehört Polen zu den größten militärischen Unterstützern der Ukraine, die nun schon seit viereinhalb Jahren den russischen Angriffen die Stirn bietet. Umso kurioser war für viele Polen der Entschluss des ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selenskyj, einer Spezialeinheit der ukrainischen Armee den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen, und dies nur wenige Wochen vor dem 83. Jahrestag des sogenannten „Blutsonntags“ von Wolhynien.
Der 11. Juli wird in Polen als gesetzlicher Gedenktag begangen. An diesem sommerlichen Tag erreichte das von der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) verübte Massaker seinen Höhepunkt: Die von Stepan Bandera angeführten Partisanen ermordeten Tausende polnische Zivilisten, darunter unzählige Kinder. Selenskyjs Entscheidung vom 26. Mai stieß in Warschau demnach auf großes Unverständnis. Polens Staatspräsident Karol Nawrocki entzog ihm daraufhin den Orden des Weißen Adlers. Die anschließende Reaktion Selenskyjs, der die ihm vor drei Jahren verliehene höchste polnische Auszeichnung ostentativ per Post nach Warschau zurücksandte, zeigt, dass er zu dem Kult der UPA steht und dieser für ihn unanfechtbar ist.
Bevor hier näher auf die Chronologie der Ereignisse eingegangen wird, lohnt zunächst ein Blick auf die ungesunde Haltung vieler Ukrainer zur eigenen Nation. Es steht nämlich außer Zweifel, dass sie äußerst traumatisiert ist. Die sowjetischen Geschichtsdramen des 20. Jahrhunderts konnte ein Volk gewiss nicht ohne tiefe seelische und mentale Beschädigungen überstehen. Die sowjetische Mentalität ukrainischer Politiker ist nicht einfach von einem Tag auf den anderen verschwunden, nur weil sie heute plötzlich danach trachten, sich dem Westen anzuschließen.
Ähnlich wie die Russen und Weißrussen haben auch sie jahrzehntelang das Credo eingeimpft bekommen: „Mit den Schwächeren machen wir kurzen Prozess, den Stärkeren geben wir vorerst nach.“ Ins Ukrainische übersetzt: „Wenn Donald Trump und JD Vance es sich erlauben können, uns im Oval Office vor der versammelten Welt lächerlich zu machen, sind sie offenkundig stark. Also bleiben wir höflich. Schwächere und kleinere Staaten, seien es auch die hilfsbereiten und die uns stets freundlich zugewandten Nachbarstaaten, lassen offenbar viel durchgehen. Also setzen wir sie noch stärker unter Druck und erzwingen noch mehr Zugeständnisse.“
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