Robert Habeck, der Philosophenkanzler: Lasst uns erstmal drüber reden, wie wir uns mit dem Anschlag fühlen

vor mehr als 1 Jahr

Robert Habeck, der Philosophenkanzler: Lasst uns erstmal drüber reden, wie wir uns mit dem Anschlag fühlen
Bildquelle: Apollo News

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich weiß nicht, wo Sie die Nachricht vom Anschlag in Magdeburg am Freitagabend erreicht hat. Vielleicht beim Abendessen mit Freunden. Vielleicht beim Abwaschen schon. Vielleicht sogar selbst auf dem Weihnachtsmarkt. Mich erreichte sie, als ich gerade zu Hause in Flensburg zur Tür hereingekommen war, voller Vorfreude auf meine Familie, auf die Festtage, auf die Zeit für die kleinen Dinge, die Weihnachten groß werden lassen. Tannenbaum holen, zusammen kochen zusammen essen. Auf Zeit zwischen turbulenten Tagen, Wochen und Monaten, kurz innezuhalten.“

Wenn eine Ansprache zu einem schrecklichen Terroranschlag abweicht, in dichterische Selbstverwirklichung des Autors, der es tatsächlich doch noch irgendwie schafft, dass die Ansprache zur Hälfte nur von ihm und seinem ach so stressigen Leben handelt – dann weiß man, dass man eine Rede von Robert Habeck hört. Die Zeit veröffentlichte 2022 eine 6-Schritt-Anleitung „Wie lerne ich reden wie Robert Habeck“, schließlich würden „seine Eloquenz und Ehrlichkeit begeistern“. Das ist eigentlich ziemlich einfach. Vergessen Sie einfach, was man Ihnen beim Schulreferat über „frei gesprochen und spannend erzählt“ beigebracht wurde.

Sie müssen ihre Konsonanten verschlucken, der Ton muss gleichzeitig ganz hinten aus dem Gaumen und aus der Nase kommen. Machen Sie aus allem, was Sie sagen wollen, eine Aufzählung, aber vergessen Sie Komma. Alles Hauptsätze, Adjektive könne, Verben müssen nicht. Immer kurze Pausen lassen Sie Ihre Sätze wirken! Dann stellen Sie sich vor einen Prompter und ab die Post. Emotionen werden nicht durch authentisches Vortragen, sondern ausschließlich durch Sprechpausen rübergebracht, die Stimme wird höchstens halbherzig gehoben.Habeck macht das im nächsten Satz sehr schön vor. „In diese Vorfreude schlug die Nachricht mit voller Wucht. Traf ins Mark. Traf ins Herz und ich dachte nur: Nein. Nein! Nein!“ Besonders die letzten Worte spricht ohne jegliche Emotion. Beim ersten schloss er noch die Augen und gestikulierte. Die anderen beiden wurden dann auf eine monotone Art vorgetragen, die man sonst nur von Gedichtvorträgen in der Grundschule kennt.

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