Während der Beratung im Bundestag über Grundgesetzänderung und Schuldenpaket trat die Vorsitzende der Grünen Franziska Brantner ans Rednerpult und sagte: „Herr Merz, das könnte Ihr Adenauer-Moment sein …“ Das bezog sich zwar auf den Willen zur Verteidigung Europas, hätte aber auch auf die Art der Entstehung des Schulden-Deals gemünzt sein können.
Von Konrad Adenauer sind viele Bonmots bekannt, die in die Annalen eingegangen sind, und bis heute Gültigkeit haben. Als Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard Anfang der Sechzigerjahre unter dem Druck steigender Preise – für die damalige Bundesrepublik ein völlig neues Phänomen – einen Sachverständigenrat für Wirtschaft einrichten wollte, soll ihn der damalige Bundeskanzler angeblafft haben: „Erhard, woll’n Se sich ’ne Laus in den Pelz setzen?“ Womit er meinte: Ein Politiker sollte sich nicht von Wissenschaftlern ins Geschäft reden lassen.
Genau aber das wollte der ordoliberale Erhard: ein Gremium, das durch wissenschaftlich begründeten Rat falschen ökonomischen Entscheidungen der Politik mannhaft – weibliche Ratsmitglieder gab es erst seit den 2020ern – entgegentritt, quasi eine „Laus im Pelz“ der Politik. Auch auf die Gefahr hin, den politischen Akteuren gehörig auf die Nerven zu gehen und das Berater-Dasein nach fünf Jahren ohne Wiederberufung beenden zu müssen. Das Ökonomen-Gremium sollte unabhängig von der Bundesregierung arbeiten.
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