Die Mehrheit, mit der Friedrich Merz seine umstrittenen Grundgesetzänderungen durchpeitschen will, ist hauchdünn: Nur 35 Stimmen mehr als notwendig hätte Merz mit Union, SPD und Grünen. Und auch die kommt nur zustande, wenn jede der Parteien mitzieht.
Aber das ist alles andere als sicher. Allein bei den Grünen sind es 46 Abgeordnete, die dem neuen Bundestag nicht mehr angehören werden. Bei der SPD sind es 95, bei der Union 48. Sie haben nichts zu verlieren und in der Abstimmung ein wirklich freies Mandat – sie können Merz scheitern lassen. Und jeder könnte seine Gründe dafür haben.
Doch Merz weiß davon noch nichts. Während um ihn herum die Zweifel wachsen, zeigt der CDU-Chef bereits erste Anzeichen von klassischer Entrücktheit an der Macht – noch bevor er sie überhaupt sicher hat. Der zukünftige Kanzler wackelt – und hat das offenbar noch nicht ganz realisiert.
Dem beschriebenen Szenario begegnet er mit einer Nonchalance, die irritiert. Viele Politiker in der Union haben begriffen, wie dünn der Faden ist, an dem die Kanzlerschaft Merz hängt. Doch ob das bei Merz selbst der Fall ist? Daran wachsen die Zweifel – was nicht zuletzt an ihm liegt.
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