Die Strategie des Kanzlers ist so einfach, wie erfolgreich: Als Friedrich Merz (CDU) rund 35 Minuten zu spät mit Donald Trump im Oval Office vor der Presse erscheint, lässt er die Dinge einfach laufen. Merz lässt den US-Präsidenten reden, gönnt ihm seine Show vor der Reporter-Meute, die sich mit Zurufen um die Aufmerksamkeit der beiden Regierungschefs balgen müssen.
Was Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) mit akribischer Vorbereitung nicht gelang, schafft Merz am Dienstagvormittag Washingtoner Zeit bei seinem dritten Besuch mit demonstrativer Gelassenheit. „Merz hat eine großartige Leistung gebracht“, sagt Trump in seinem typischen Superlativ-Sprech über den Gast. „Er ist sehr beliebt. Er hilft uns. Das ist sehr nett.“ Das alles bedeutet nicht viel, ist vielmehr eine allgemeine atmosphärische Freundlichkeit, die den ganzen Auftritt umwölkt.
Angela Merkel bei einem Trump-Besuch 2017
Merz ist klug genug, den Wortschwall Trumps fließen zu lassen. Der geht ohne Überleitung zum Iran-Konflikt über: „Iran hat keine Luftwaffe mehr. So ziemlich alles wurde ausgeschaltet.“ Dann kommt er zu Merz zurück: „Es ist eine große Ehre, sie hier zu haben hier im Weißen Haus.“
Der Bundeskanzler nutzt den knappen Raum, der ihm für ein paar Worte zugedacht ist für einige federleichte Rückspielbälle, die Trumps Freundlichkeiten aufgreifen und doch an das heimische Publikum augenzwinkernd Signale senden: „Ich bin wirklich froh, mit ihnen zu sprechen in diesen herausfordernden Zeiten“, sagt Merz. „Wir sind auf derselben Seite.“ Eine Bestätigung, die Trump hören will, um dann die heimischen Sorgen um eine tiefergehende Strategie aufzugreifen.
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