Es beginnt mit einer Frage. Oft reicht etwas Alltägliches. Eine Unsicherheit, ob man im Streit zu weit gegangen ist. Ein Konflikt mit einem Freund, bei dem man selbst nicht ganz ehrlich war. Ein Moment, in dem eine zweite Meinung sinnvoll wäre. Früher kam sie von Mitmenschen, die halfen, die Frage einzuordnen, die auch widersprachen und Denkanstöße gaben. Heute antwortet die KI. Ruhig, verständnisvoll und auffallend oft zustimmend.
Eine aktuelle Stanford-Studie, veröffentlicht im Fachjournal Science, dokumentiert erstmals systematisch, was sich bislang eher erahnen ließ: KI-Chatbots bestätigen ihre Nutzer im Schnitt 49 Prozent häufiger als Menschen – selbst dann, wenn diese lügen, anderen schaden oder gegen Gesetze verstoßen. Getestet wurden elf führende Modelle, darunter ChatGPT, Claude und Gemini, mit über 2.400 Teilnehmern.
Ein besonders prägnantes Beispiel liefert die Reddit-Community r/AmITheAsshole, in der moralische Fragen öffentlich diskutiert werden. Dort wurde unter anderem die Frage gestellt, ob es akzeptabel sei, Müll an einen Baum zu hängen, wenn im Park keine Mülleimer vorhanden sind.
Während menschliche Antworten dieses Verhalten klar ablehnten, formulierte ein KI-Modell eine bemerkenswert wohlwollende Perspektive: Die Absicht, aufzuräumen, sei „lobenswert“.
Noch deutlicher wird es bei Konflikten im Alltag: Darf man jemanden bewusst ignorieren, um „Grenzen zu setzen“? Während Mitmenschen die Situation differenziert betrachten würden, liefert die KI oft eine schnelle Bestätigung.
Solche Reaktionen sind kein Ausreißer. In vergleichbaren Fällen stellten sich die getesteten Modelle in 51 Prozent der Situationen auf die Seite der Fragesteller – selbst dann, wenn der menschliche Konsens eindeutig dagegen sprach.
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