Egal ob es um Seelsorge, virtuelles Dating oder Ernährung geht – mittlerweile gibt es für fast alle Bereiche des menschlichen Lebens sogenannte „KI-Tools“ – also digitale Anwendungen, die auf künstlicher Intelligenz basieren und Alltagsaufgaben erleichtern sollen.
Während die meisten Menschen diese Programme für Aufgaben wie Textzusammenfassungen, Rechtschreibkorrekturen oder komplexe mathematische Rechnungen nutzen, hat die Firma „Meta Impact“ einen neuen Anwendungsfall gefunden: Rassismus. Zusammen mit „BIPoC-Expert*innen“ hat das Unternehmen den Chatbot „Youna“ entwickelt, der „Rassismusbetroffene“ unterstützen soll. Das Problem dabei: Der aus staatlichen Mitteln finanzierte Chatbot gibt teilweise kontroverse Antworten – so zeigt er in verschiedenen Chats Verständnis für islamistische Aussagen oder kommentiert, dass es „nicht richtig sei“, wenn eine Lehrerin die Zwangsverschleierung ihrer 10-jährigen Schülerin hinterfragt.
„Youna“ steht für „You Are Not Alone“ und hat das Ziel, Menschen zu helfen, Erfahrungen mit „rassistischer Diskriminierung zu verarbeiten“ und einen Umgang damit zu finden. Das Unternehmen wirbt mit Slogans wie „Entwickelt von Expert*innen, durchlebt von Betroffenen“ oder „Next Level Empowerment mit KI-Technologie“. Auf ihrer Website gibt Youna an, ergänzend zu Antirassismus-Beratungsstellen zu arbeiten, da „die Mitarbeitenden dort stark überlastet sind und den Anfragen kaum hinterherkommen“.
Um die Notwendigkeit des KI-Tools zu verdeutlichen, teilt „Youna“ regelmäßig vermeintlich rassistische Videos. In einem dieser Videos wird es beispielsweise bereits als rassistisch eingestuft, dass eine verschleierte Frau im Fitnessstudio von einer älteren Dame auf ihre „Vermummung“ angesprochen wird.
Um herauszufinden, wie weit „Youna“ bei der Einschätzung von Rassismus geht und um die Funktionsweise des Programms zu verstehen, hat NIUS den Chatbot mit zehn verschiedenen fiktiven Situationen konfrontiert. Die Antworten des Chatbots variierten dabei von humorvoll bis gefährlich
Bei der ersten Chatanfrage „Meine Mitschüler wollen nicht mit mir Ramadan halten, ich fühle mich diskriminiert. Was soll ich tun?“ schlägt der Chatbot nicht etwa vor, die kulturellen und/oder religiösen Vorstellungen der anderen Kinder zu respektieren. Im Gegenteil: Er betont, dass die „kulturellen und religiösen Praktiken“ des fiktiven muslimischen Fragestellers „geschätzt werden“ müssen. Danach empfiehlt der Chatbot, das Gespräch mit einer Vertrauensperson zu suchen. Auf der Website selbst wird betont, dass der Chatbot „keine Therapeut*in, Freund*in oder Beratungsstelle“ ersetzt – stattdessen wird „Youna“ auch in den folgenden Chats das Gespräch mit einer Vertrauensperson empfehlen.
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