Vertrauen in die Politik ist nicht angebracht. Vertrauen ist nicht einmal nötig. Misstrauen und Skepsis sind gefragt – wahre demokratische Tugenden.
Die Tage werden wieder länger. Es wird heller (und in ein paar Monaten auch wärmer – aber das gilt als Weltuntergangsmenetekel). Mit jedem Jahreswechsel ist das Gefühl des Neubeginns verbunden, und damit die Hoffnung, man könne alte Fehler abhaken, bessere Vorsätze fassen und verwirklichen. Ohne Illusionen dieser Art wäre das Leben tatsächlich ein Jammertal. Ganz ohne Glaube an das Gute und ganz ohne Hoffnung geht es nicht. Es war ja auch nicht alles schlecht. Oder? Bisher ist doch immer fast alles beinahe irgendwie nahezu gut gegangen. Wir neigen dazu, uns die Verhältnisse schöner, überschaubarer, simpler zu malen, als sie sind. Es gibt aber leider nichts Komplizierteres als die Realität. Deshalb sehnen wir uns nach einfachen Lösungen. Davon leben Politiker.
Wir kommen mit der Komplexität des Lebens schon im Privaten kaum klar, geschweige denn in der Gesellschaft. Wer kann schon ungeniert sagen, eine Entscheidung, eine Haltung sei vollkommen richtig oder absolut falsch? Oder alternativlos? Wer das tut, betrügt sich selbst und/oder andere. Wer ganz genau und unbeirrbar weiß, wie alles geht, ist ein Schwachkopf oder einfach nur ein lausiger, inkompetenter, machtbesessener Politiker. Ideologien sind sinnlose Mauern, aufgerichtet zwischen Richtigem und Falschem, zwischen Gut und Böse. Komplexe Probleme können mit simplifizierenden ideologischen Glaubenssätzen nicht gelöst werden. Im Gegenteil.
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