Am 26. Februar fand in Großbritannien eine bemerkenswerte Nachwahl für das Unterhaus statt. Im Wahlkreis Gorton und Denton – einem Vorort von Greater Manchester – versuchte die Labour Party, einen Parlamentssitz zu verteidigen, den die Partei seit den 1930er Jahren in jeder Wahl für sich hatte behaupten können.
Diesmal kam es anders; mit einer überzeugenden Mehrheit von gut 4000 Stimmen gegenüber dem nächsten Konkurrenten (Matt Goodwin von der migrationskritischen, nationalkonservativen Reform-Partei) gelang es der Kandidatin der Grünen, Hannah Spencer, einer Klempnerin, den Wahlkreis für sich zu erobern. Labour landete abgeschlagen auf Platz drei mit rund 25 % der Stimmen (bei der letzten Wahl waren noch 50 % der Stimmen auf Labour entfallen), während die siegreichen Grünen einen Anteil von rund 40 % erreichten und Reform von knapp 30 %. Für Labour kommt dieses Resultat einem Erdbeben gleich. Sicher spielte hier eine Rolle, dass Starmer als Premier glücklos und ungeschickt agiert und wenig Glaubwürdigkeit besitzt. Außerdem hatte er die Kandidatur eines populären lokalen Kandidaten, Andy Burnham, verhindert, weil er befürchtete, dieser werde ihn als Premier stürzen, wenn es ihm gelänge, Abgeordneter zu werden.
Auf der einen Seite stehen jüngere, stark linksorientierte Wähler britischer Herkunft, auf der anderen Seite ethnische Minoritäten, ganz besonders Muslime pakistanischer und indischer Herkunft oder aus Bangladesch, die zwar kulturell extrem konservativ sind, aber hoffen, dass die Grünen ihre sehr spezifischen Anliegen vorantreiben.
Dazu gehört eine Außenpolitik, die für die Palästinenser gegen Israel kämpft, sowie für die indischen Muslime gegen Präsident Modi eintritt und eine Innenpolitik, die religiös konservative Muslime vor jedem Assimilationsdruck und letztlich auch grundsätzlich vor Kritik am Islam und seiner Geschichte – die rasch als Islamophobie gebrandmarkt wird – vollständig schützt.
Da die Grünen in Großbritannien unter der Führung von Zack Polanski und seines Stellvertreter Mothin Ali, der auch schon durch antisemitische Äußerungen aufgefallen ist und als relativ fundamentalistischer Moslem gelten kann, sich ganz das Evangelium der geistigen Dekolonialisierung und des Multikulturalismus zu eigen gemacht haben, können sie Wählern, die sich primär über ihre nicht-britische Herkunft und ihre Religion als eigene Gruppe identifizieren, durchaus ein attraktives Angebot machen, jedenfalls solange sie in der Opposition sind. In der Regierung wäre es vielleicht etwas schwieriger, den Kampf für LGBT+-Rechte und einen radikalen, permissiven Individualismus mit dem Eintreten für die sittlichen Werte eines konservativen Islam, der bereits Probleme mit der Emanzipation von Frauen hat, zu kombinieren.
Das spielte aber in Gorton und Denton keine große Rolle. Offenbar haben die dortigen muslimischen Wähler (wohl etwa 30 % der Wahlberechtigten) mit großer Mehrheit für die Grünen gestimmt, und sich damit weitgehend von der Labour-Partei, zu der sie früher meist neigten, abgewandt.
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