Ukraine-Verhandlungen: Wie Putin mit dem Prinzip „Vorrücken und Verhandeln“ auf Zeit spielt

vor 11 Monaten

Ukraine-Verhandlungen: Wie Putin mit dem Prinzip „Vorrücken und Verhandeln“ auf Zeit spielt
Bildquelle: NiUS

Was hat das Gipfeltreffen mit Trump, Selenskyj, Merz und weiteren EU-Schwergewichten im Weißen Haus gebracht? Antwort: Gar nichts. Nichts ist klarer geworden, nichts ist besser geworden, nichts ist sicherer geworden. Es wurden keine Beschlüsse gefasst, es wurde keine Basis für einen Waffenstillstand entwickelt, es wurde kein konkreter Plan abgesteckt, wie es jetzt in der Ukraine weitergeht und der Krieg beendet wird.

Das einzige verwertbare Ergebnis des Treffens ist ein Gruppenbild. Ein herziges Familienbild, auf dem sie lächelnd nebeneinanderstehen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, um ihren Wählern in all ihren Landen zu bedeuten: Seht ihr, wir tun was. Wir treffen uns, wir reden, wir diskutieren – und irgendwann wird aus all unseren Worten hoffentlich auch was Konkretes werden. Zum Beispiel ein Friedensvertrag.

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Aber vermutlich hat das bei diesem hastig arrangierten Wohlfühlgipfel gar nicht anders sein können, denn: Wer ohne Plan und Ziel losfährt, der landet nicht da, wo er will – sondern im Nirgendwo. Also: im diplomatischen Nichts, in der politischen Pampa, im bilateralen Ödland.

Je länger ich mir die Bilder dieses Gipfels anschaue, desto klarer wird mir: Dahinter stand in Wahrheit überhaupt kein Plan außer dem, den kleinen guten Selenskyj vor dem großen bösen Trump zu bewahren. Da ging es nur darum, zu verhindern, dass der ukrainische Präsident im Weißen Haus wieder von Trump und seinem Vizepräsidenten J.D. Vance in die Zange genommen wird, bis er, wie im Februar, erneut aus der Rolle fällt und alle drei dann so viel Porzellan zerschlagen, dass die ganze Angelegenheit nicht mehr zu kitten ist. Deshalb mussten Merz, Meloni, Macron und Konsorten mitfahren und Selenskyj das Händchen halten. Und das ist auch geglückt.

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Keiner ist aus der Rolle gefallen, alle haben gelernt, Trump zu lieben und zu loben und mit überspitzten Formulierungen und unangenehmen Forderungen hinter dem Berg zu halten. Am Schluss konnten alle das sagen, was der österreichische Kaiser Franz Joseph I. nach jedem Besuch, ganz gleich wo, gesagt hat: „Es war sehr schön und hat mich sehr gefreut.“

Ich muss mich korrigieren: Der Gipfel hat doch was gebracht. Zwar keine konkreten Resultate, aber Wohlwollen im Überfluss – ernste, staatsmännische Mienen bei den Herren und gute Laune bei den Damen. Immerhin: nichts erreicht ist besser als alles kaputt. Jetzt ist aber immer noch ein Krieg zu beenden und ein Frieden zu schließen. Für den es einen neuen Gipfel braucht. Der auch wieder vorbereitet werden muss – und der dann eventuell Frieden bringt.

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