Friedrich Merz ist angefasst. Immer wieder verzieht der Kanzler seine Miene, fasst sich ins Gesicht. Manchmal wirkt es fast so, als würde er gleich in Tränen ausbrechen, dort auf dem Podium beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union.
Deutschlandtage – das waren für Merz Heimspiele, auf denen der angebliche konservative Erneuerer der CDU hochgehalten wurde wie kein zweiter. Lang ist’s her. Am Samstag betritt Merz im Europapark in Rust kein Heimspiel, sondern Feindesland. Und er macht den schwerstmöglichen Fehler.
Er ist emotional angefasst. Merz verliert die Fassung. „Das kann doch wohl nicht euer Ernst sein“, ruft er der Jungen Union zu. Wirft ihr vor, sie sei nicht konstruktiv genug. In väterlicher Herablassung watscht er die durchaus konstruktiv vorgetragenen Bedenken der Parteijugend einfach arrogant ab. Ohne Umschweife bekennt er sich zu dem umstrittenen Rentenpaket, welchem er „guten Gewissens“ zustimmen werde. Es ist ein neuer Brosius-Gersdorf-Moment für Friedrich Merz.
Schon vor dem Auftritt des Kanzlers hatte die JU ihre Pflöcke mit Nachdruck in den Boden gerammt. „Ihr könnt euch darauf verlassen: Wir bleiben in dieser Frage stehen“, erklärte Pascal Reddig, der Chef der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, unter donnerndem Applaus. Die Junge Union stärkt ihren Abgeordneten dabei den Rücken. JU-Chef Johannes Winkel erklärt zum Widerstand seiner Leute: „Es war noch nie so konkret wie jetzt“.
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