Mit den parteipolitischen Großveranstaltungen anlässlich des ungarischen Nationalfeiertags am 15. März 2026 ist der Wahlkampf in die entscheidende Phase eingetreten. Die beiden Favoriten Fidesz und Tisza konnten dabei jeweils mehr als 150.000 Menschen mobilisieren. Während Tisza als neue Partei Anfang Februar ein 240-seitiges Wahlprogramm vorstellte, verfügt Fidesz bereits seit 2010 über kein offizielles Wahlprogramm mehr. Das ist auch nicht nötig. Fidesz setzt vielmehr auf Kontinuität und verspricht eine Fortführung und Ausweitung der bisherigen Programmatik.
Daher kommt den Aussagen führender Politiker eine besondere Rolle zu, da sie Einblicke in die politischen Visionen und Schwerpunktsetzungen der Partei beziehungsweise der führenden Politiker ermöglichen. Eine solche Gelegenheit bot sich auf der Veranstaltung der Fidesz am bereits erwähnten Nationalfeiertag. Neben Viktor Orbán hielten auch der Minister für Außenwirtschaft und Auswärtiges, Péter Szijjártó, sowie der Minister für Bau und Verkehr, János Lázár, Reden.
Letzterer ist in Ungarn unter anderem für sein Wahlkampfformat „Lázárinfó“ bekannt, bei dem er quer durch das Land reist und sich „überall, mit jedem, über alles“ unterhält. Diese oftmals mehrstündigen Veranstaltungen sind der Öffentlichkeit frei zugänglich. Sowohl regierungsfreundliche als auch regierungskritische Bürger erhalten die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen direkt an den Minister zu wenden. Im Rahmen seiner Rede stellte er ein „Kondensat“ aus zwölf dezidierten Punkten vor, welche die zentralen Wahlversprechen der Fidesz darstellen.
Der Schutz und die Förderung der traditionellen Kernfamilie bilden einen zentralen Bestandteil der Regierungspolitik seit 2010. Das konservative Familienbild der Partei wird bekräftigt und zugleich auf die zahlreichen familienpolitischen Maßnahmen und Steuererleichterungen verwiesen, die in den vergangenen Jahren eingeführt wurden. Darunter sind insbesondere die lebenslange Einkommenssteuerbefreiung für Mütter ab drei Kindern sowie für Mütter von zwei Kindern unter 40 Jahren zu nennen – diese soll bis 2029 stufenweise auf alle Altersklassen ausgeweitet werden.
Zudem erhalten die Eltern einen Steuerfreibetrag in Abhängigkeit von der Kinderzahl. Im Falle einer Familie mit drei Kindern beläuft sich dieser Betrag auf 66.000 HUF (170 Euro) pro Kind. Bei einem Bruttodurchschnittseinkommen von knapp 790.000 HUF (2.000 Euro) entspricht dies einer effektiven Einkommenssteuerbefreiung für einen Großteil der Arbeitnehmer. Aufgrund der 15-prozentigen Einkommenssteuer wird dieser Freibetrag erst ab einem Bruttoeinkommen von 1,3 Millionen Forint (3.350 Euro) vollständig ausgeschöpft – was rund 165 Prozent des Durchschnittseinkommens entspricht.
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