Mitunter scheint es, als führe Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit sich selbst Streitgespräche. „Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar“, sagte er Ende August auf einem Landesparteitag der CDU in Osnabrück. Jetzt mach aber mal 'nen Punkt, rief sich Merz gewissermaßen selbst beim Deutschen Mittelstandstag am vergangenen Freitag in Köln zu. Daraus wurde vor laufender Kamera: „Hören wir doch mal auf, so larmoyant und so wehleidig zu sein.“
Lufthansa, BMW, Daimler, Otto, Bosch (13.000), SAP (2200), VW (35.000) meldeten in diesen Tagen Stellenstreichungen im vier- bis fünfstelligen Bereich. Wenn der neue Investitionsbeauftragte des Kanzlers, Martin Blessing, tatsächlich Investoren nach Deutschland holen sollte, kommen ihm deutlich mehr entgegen, die das Land verlassen. Für die betroffenen Familien ist „Wehleidigkeit und Larmoyanz“ vermutlich nicht die ganz richtige Ansprache. Und auf dem Kongress der Mittelstandsunion wissen die versammelten Firmen am besten, dass Investoren nicht selten vor allem am günstigen Aufkaufen deutscher Weltmarktführer und deren Namensrechten interessiert sind. An blühenden Landschaften weniger.
Friedrich Merz fordert von den Menschen weniger Wehleidigkeit.
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