Wenn der Rückflug das Reiseziel ist: Merz beendet China-Reise

vor 4 Monaten

Wenn der Rückflug das Reiseziel ist: Merz beendet China-Reise
Bildquelle: Tichys Einblick

Es hat eine Weile gedauert, bis sich der vermeintliche Unterschied zwischen Annalena Baerbocks feministischer Außenpolitik und jenem Ansatz herauskristallisierte, den das diplomatische Korps unter Bundeskanzler Friedrich Merz wählen würde. Was sich verändert hat, ist weniger die Substanz als der performative Akt. Unter dem Sauerländer verschoben sich Ton und Gestik – die Inszenierung soll maskuliner wirken, nüchterner im Ton, vielleicht professioneller, weniger peinlich-aktivistisch – doch der Inhalt bleibt im Wesentlichen unverändert.

Ironischerweise wird ausgerechnet Erzfeind Donald Trump zum Spiritus Rector eines neuen szenischen Elements im medialen Schaukasten des Bundeskanzlers. Im Stil des US-Präsidenten verkündete Friedrich Merz am 25. Februar den Höhepunkt seiner China-Reise: Den Abschluss eines Großauftrags für den europäischen Luftfahrtkonzern Airbus. 120 Flugzeuge will die chinesische Wirtschaft erwerben, Maschinen der Typen A320, A350 – Details sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen –, bestellt bei jener Flugzeugschmiede, die als das erfolgreichste Retortenkind des europäischen Projekts überhaupt gilt.

So höflich zeigen sich die chinesischen Gastgeber: Sie lassen den Bundeskanzler nicht mit leeren Händen nach Hause reisen und gönnen ihm den schnellen Ruhm im Superwahljahr 2026. Bilder, Schlagzeilen, Pathos – das Setting steht. Der Kanzler als Macher, als Verkäufer deutscher und europäischer Interessen, als außenpolitischer Akquisiteur im globalen Wettbewerb – ein deutscher Donald Trump?

Doch ein nüchterner Blick auf die Zahlen relativiert die Inszenierung. Jahr für Jahr füllen chinesische Kunden die Auftragsbücher von Airbus mit Hunderten bestellter Maschinen. Großbestellungen aus China sind kein Ausnahmeereignis, sondern Teil eines eingespielten, langfristigen Beschaffungsrhythmus. Der Bedarf ist strukturell, nicht spontan – die Produktionsslots waren lange geplant und kollidierten in diesem Falle mit der Reise des Kanzlers.

Ein Medienwirbel im Trump-Stil. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass der US-Präsident von seinen Auslandsreisen mit realen Investitionen in die Produktionskapazitäten seiner Industrie heimkehrt. Fabriken entstehen, Standorte werden ausgebaut, Kapital fließt messbar in amerikanische Wertschöpfung. Ob es das Zaubermittel der Zölle ist, die deregulierte US-Wirtschaft, das robuste Wachstum in Nordamerika – einerlei. Die Vereinigten Staaten ziehen reale Investitionen an, sie binden Kapital und industrielle Substanz im eigenen Land.

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