Am Abend sitzt der Kanzler bei Maischberger, rasend vor Wut, eigentlich ein Heimspiel. Doch die Moderatorin fährt ihm immer wieder in die Parade, wirft genervt dazwischen: „Ach, das ist doch irgendwie Kleinkram“. Schließlich der vernichtend zynische Satz: zu Scholz „Ich weiß, dass Sie schlauer sind als alle anderen“. Der Bundeskanzler als Witzfigur, geradeso lässt man ihn noch ausreden. Selbst die opportunistischsten Hauptstadtjournalisten lassen ihn fallen, wofür bräuchte man ihn schon noch. Es sind Fragmente eines Machtverlustes, auf den Olaf Scholz mit den gleichen ungläubigen Augen reagiert wie, sagen wir, Erich Mielke bei seiner letzten Rede vor der Volkskammer.
SPD-Abgeordnete verbreiten am Abend eine PR-Montage, die diesen Mittwoch zum „schwärzesten Tag in der deutschen Nachkriegsgeschichte“ erklärt. Alles klar. Das Olympia-Attentat, die RAF, Niederschlagung des Volksaufstandes – all das war natürlich nichts gegen den rot-grünen Machtverlust.
Der bezeichnende Moment des Tages war, als Friedrich Merz in Richtung von Rot-Grün erklärte, wie klein ihre Minderheit geworden sei und dass er sich schlichtweg nicht mehr daran orientieren wolle. Gegröle. Es ist vorbei. Berücksichtigt man aktuelle Umfragen, ist die Mehrheit keine knappe mehr. Die Parteien, die für die Migrationswende im Bundestag stimmten, könnten in einem neuen Bundestag gut und gerne eine 2/3-Mehrheit erreichen. Rot und Grün sind zu einer gesellschaftlichen Randerscheinung geworden – „Wir sind mehr“, ihre Macht- und Unterwerfungsparole, ist so scharf widerlegt wie es nur gut.
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