Wie geht es weiter mit der Kernenergie in Deutschland? Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

vor etwa 1 Jahr

Wie geht es weiter mit der Kernenergie in Deutschland? Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
Bildquelle: NiUS

Die A-Frage, die Frage eines Weiterbetriebs der kürzlich abgeschalteten Kernkraftwerke, ist eine der entscheidenden in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD, entscheidet sie doch über die Frage, ob ein möglicher Bundeskanzler Friedrich Merz pragmatisch durchsetzen kann, dass Kraftwerke, die verlässlich günstigen und sauberen Strom dabei helfen, die Strompreise für die Wirtschaft zu senken.

Der Klimaexperte und ehemalige Hamburger Umweltsenator Prof. Dr. Fritz Vahrenholt (SPD) schreibt in einem Gastbeitrag für NIUS auf, wie es mit der Kerkraft in Deutschland weitergehen könnte.

In einer Umfrage für das Verbraucherportal Verivox hat sich eine Mehrheit der Befragten in Deutschland für die Rückkehr zur Kernkraft ausgesprochen. 55 Prozent befürworteten in der Ende März veröffentlichten Umfrage den Wiedereinstieg in die Kernenergie. 36 Prozent lehnten eine erneute Nutzung der Kernenergie in Deutschland ab, neun Prozent waren unentschieden.

Damit kommt die Kernenergie auf Zustimmungswerte wie sie die Erneuerbaren Energien erhalten (57 Prozent)!

Doch die SPD – mit 16 Prozent der Stimmen bei der letzten Bundestagswahl für ihre industrie- und arbeitsplatzfeindliche Politik abgestraft – wehrt sich mit Händen und Füssen – wie in anderen Politikbereichen auch – gegen den Willen der Mehrheit der Deutschen für einen Politikwechsel. Dabei waren es sozialdemokratisch geführte Bundesregierungen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt, die in Anbetracht der ersten und zweiten Ölpreiskrise den Ausbau einer neuen Generation von Kernkraftwerken den Weg ebneten.

Ein guter Teil des wirtschaftlichen Erfolgs von 1980 bis 2010 war durch den preissenkenden Effekt der Kernkraftwerke möglich. Wir sollten uns daran erinnern, dass die Stromkosten aus Kernkraftwerken bis zum fatalen Ausstieg der Ampel-Koalition im April 2023 bei 2,5 bis 3 Cent pro Kilowattstunde lag, einem Viertel des heute üblichen Börsenstrompreises. Und in diesen Kosten waren die Rückstellungen für den zukünftigen Rückbau und die Endlagerung schon mit enthalten.

Alt-Kanzler Helmut Schmidt hatte die Kernkraftwerke flexibel konzipieren lassen.

Helmut Schmidt, der ja einen Anteil von 50 Prozent der Kernenergie an der Stromversorgung für erstrebenswert hielt, hatte Anfang der siebziger Jahre dafür gesorgt, dass in Deutschland zu bauende Kernkraftwerke sehr schnell herauf- und heruntergefahren werden konnten. Insofern ist der allseits bekannte grüne Spruch, dass Kernkraftwerke die Netze verstopfen, an Dummheit nicht zu überbieten.

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