Zwei verschwundene Paketscheine, wochenlang keine Unterwäsche – und plötzlich geht es doch: In der JVA Weiterstadt sitzt Ex-Polizist Michael Fritsch, angeklagt als Terrorist im großen Frankfurter „Reichsbürger-Prozess“. Seine Verlobte durfte ihm wochenlang keine frische Kleidung schicken, weil die Anstalt zwei genehmigte Paketscheine nacheinander angeblich „verloren“ hatte. Dann, ohne Erklärung, die Wende: Plötzlich durfte sie die Unterhosen direkt vorbeibringen – ganz ohne Paketschein. Was geschieht in dieser Anstalt, die schon früher wegen fragwürdiger Praktiken auffiel? NIUS hat recherchiert.
In einem hessischen Gefängnis, bekannt durch den RAF-Anschlag von 1993, 37 Kilometer südlich von Frankfurt, wusch ein Mann seine letzten drei Unterhosen per Hand am Waschbecken. Vor wenigen Jahren stand der Mann noch auf der anderen Seite des Gesetzes. Michael Fritsch war Polizist, bis er wegen Reden auf Corona-Demonstrationen suspendiert wurde.
Seit fast drei Jahren sitzt der ehemalige Polizist hier in U-Haft – ohne Beweis für seine Schuld. Der Prozess dauert weiterhin an.
Im Frankfurter Reichsbürger-Prozess, zusammen mit Prinz Reuß angeklagt, wirft ihm die Bundesanwaltschaft vor, an einem Umsturzplan beteiligt gewesen zu sein – nach dem er eine Art „Innenminister“ werden sollte, wie der NDR schrieb. „Dafür soll Michael Fritsch laut Anklage versucht haben, insbesondere Polizisten und Bundeswehrsoldaten anzuwerben. Es soll Rekrutierungsveranstaltungen in der Region Hannover und im Harz gegeben haben“, berichtete der NDR weiter. Hannovers früherer Polizeipräsident Volker Kluwe erklärte, es gebe einen „kompetenten, rational denkenden“ Fritsch – und einen anderen, der „verrückte Dinge glaubt“. Belege oder Beispiele erwähnte der NDR jedoch nicht.
Michael Fritsch, Ex-Kriminalhauptkommissar, spricht am 13. März 2021 bei einer Demo. Die Veranstaltung war Teil der bundesweiten Hauptstädte-Demo „1 Jahr Lockdown – es reicht!“.
Zurück nach Weiterstadt. Um neue Unterwäsche senden zu können, brauche es einen Paketschein, teilte ihm die JVA mit. Der Antrag wurde gestellt und am 23. Oktober genehmigt. Doch der Paketschein kam nie an. Er sei in der Anstalt verloren gegangen, hieß es nach NIUS-Informationen. Mittlerweile ist klar: Auch ein zweiter Paketschein ging spurlos verloren. Passierte Fritsch das, was Whistleblower – ehemalige JVA-Bedienstete – in der Hessenschau schildern?
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