Zinssenkung in den USA, Autozulieferer streichen immer mehr Arbeitsplätze, Verschiebebahnhof Sondervermögen

vor 10 Monaten

Zinssenkung in den USA, Autozulieferer streichen immer mehr Arbeitsplätze, Verschiebebahnhof Sondervermögen
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Die gerade zu Ende gegangene IAA Mobility sorgte in München für Aufbruchstimmung. Doch nur ein paar Tage später herrscht schon wieder Katerstimmung. Der Alltag bleibt geprägt von einer schwachen Autonachfrage. Der amerikanische Konzern Ford kündigte diese Woche einen weiteren Stellenabbau in seinem Kölner Werk an. Der Konzern will weitere 1000 Stellen streichen. Dabei hatten sich Management und Gewerkschaftsvertreter erst Ende des vergangenen Jahres auf den Abbau von 2900 Arbeitsplätzen bis 2027 geeinigt. Ford will die Produktion von derzeit zwei Schichten ab Anfang 2026 auf eine Schicht reduzieren. Ebenfalls diese Woche kündigte Bosch erhebliche Einsparungen in seiner Mobilitätssparte an. Der größte Autozulieferer der Welt will die Kosten in diesem Segment um weitere 2,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 senken, wie der Spartenvorstand Markus Heyn und der Arbeitsdirektor Stefan Grosch in einem Gespräch mit der „Stuttgarter Zeitung“ ankündigten.

Bosch hat seit dem Frühjahr 2024 in mehreren Schritten den Abbau Tausender Stellen bekanntgegeben. Der Stellenabbau summiert sich mittlerweile auf rund 15.000 Arbeitsplätze, davon 10.000 in Deutschland. Vom Umbruch ist die gesamte deutsche Zuliefererbranche betroffen. Mit besonders großen Problemen kämpfen vor allem ZF Friedrichshafen vom Bodensee und Continental aus Hannover. ZF hatte vor einigen Quartalen bereits den Abbau von 14.000 Stellen bis 2028 in Deutschland angekündigt, ein Viertel der gesamten Belegschaft. Auch bei ZF sind die Kapazitäten, gemessen an der derzeitigen Nachfrage nach Autos mit Verbrennungsmotor und nach Elektrofahrzeugen, deutlich zu groß.

Auch viele kleinere Zulieferer, die weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen, restrukturieren ihr Geschäft und bauen Arbeitsplätze ab. Derweil schrumpft Continental immer weiter. Am Donnerstag ging der Börsengang der Elektroniksparte Aumovio über die Bühne, die dadurch vom Konzern abgespalten wird. Das neue Unternehmen wird rund 92.000 Mitarbeiter haben und einen Umsatz von 20 Milliarden Euro generieren. Im kommenden Jahr will Continental dann noch die Einheit für Industriegummi namens Contitech verkaufen. Am Ende wird der Konzern wieder stark auf sein einstiges Kerngeschäft reduziert sein, die Herstellung von Fahrzeugreifen.

Bei den Politikern scheint das alles noch nicht angekommen zu sein. Den Eindruck konnte jedenfalls bekommen, wer die Haushaltsdebatte im Bundestag verfolgte. Nicht zu unrecht hat die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht den Verschiebebahnhof zwischen Sondervermögen und normalem Etat kritisiert: Mit diesen Krediten würden „bestehende Haushaltslücken gestopft oder Projekte jenseits von Verteidigung oder Infrastruktur finanziert“. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) rechnet vor: Für die Deutsche Bahn würden im Sondervermögen zwar 18,8 Milliarden Euro eingeplant. Gleichzeitig sänken aber im ordentlichen Haushalt die Investitionen ins Schienennetz so stark, dass die Regierung dort plötzlich 8,2 Milliarden zusätzlich verfügbar habe. Derselbe Trick komme bei den Autobahnbrücken zur Anwendung. Für deren Sanierung seien im Sondervermögen 2,5 Milliarden Euro vorgesehen, doch im Kernhaushalt würden die Investitionen für Bundesfernstraßen um 1,7 Milliarden gekürzt. Ähnliche Verschiebungen finden sich beim Breitbandausbau, bei den Krankenhäusern und bei der Klima- und Energiepolitik. Das Fazit der Bundesbank: „Insgesamt drohen die Schulden anzusteigen, ohne Verteidigungsfähigkeit und Infrastruktur im gleichen Maße zu stärken.“

Die Börsen scheinen von solchen Dingen wie abgekoppelt. Sie freuten sich über die Zinssenkung in den USA vom Mittwoch und setzten auch am Freitag ihre Rekordjagd fort. An der Wall Street erreichten alle wichtigen Standardwerte- und Technologie-Indizes sowie der führende Nebenwerte-Index Russel 2000 Höchststände. Unverändert treibt die Hoffnung, dass die Leitzinsen in den USA weiter sinken und so den Unternehmen niedrigere Finanzierungskosten bescheren. Sinkende Zinsen haben zudem den positiven Effekt, dass der heutige Wert insbesondere der erhofften hohen Erträge der Tech-Unternehmen steigt.

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