In etlichen Partei- und Ministerbüros von Stuttgart bis Hamburg dürfte die Rückzugsankündigung der Grünen-Jugend-Chefin Jette Nietzard mit Stoßseufzern der Erleichterung kommentiert worden sein – auch wenn man nach außen kaum etwas sagte. Die Berlinerin war schon nach ihrem Instagram-Auftritt mit ACAB-Pulli („All Cops Are Bastards“) parteiintern in Ungnade gefallen, weil ihre linksradikale Attitüde das sorgsam gepflegte Image grüner Gutbürgerlichkeit gefährdete. Dass sie nun in einem öffentlich-rechtlichen Podcast darüber fabulierte, ob im Falle einer AfD-Regierung der antifaschistische Kampf auch mit Waffen geführt werden müsste, war wohl endgültig zu viel.
Hätte Nietzard nicht so schnell reagiert und am Dienstagvormittag angekündigt, auf eine erneute Kandidatur als Bundessprecherin der Jugendorganisation zu verzichten, wäre der Druck aus dem Parteiestablishment auf sie wahrscheinlich enorm geworden. Denn für die Grünen, die auf ihrem langen Marsch durch die Institutionen an viel Macht und lukrative Posten gekommen sind, steht einiges auf dem Spiel.
In sieben Bundesländern ist der als „Anti-Parteien-Partei“ Anfang der 1980er Jahre gestartete parlamentarische Arm der damaligen Alternativbewegung derzeit an der Regierung beteiligt. In dreien dieser Länder koalieren die Grünen sogar mit ihrem einstigen Erbfeind: der CDU. Die christdemokratischen Ministerpräsidenten Daniel Günther in Schleswig-Holstein und Hendrik Wüst in Nordrhein-Westfalen werden nicht müde, ihre schwarz-grünen Bündnisse als Erfolgsmodell für den Bund anzupreisen.
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