Ein bisschen kritisch müssen wir schon sein, dachte sich das Team um Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni wohl beim Dreh der großen „Wir schaffen das“-Reportage. Und so wagt man sich doch ein wenig in die Beleuchtung all dessen, was seit Merkels Grenzöffnung in diesem Land im Argen liegt – natürlich trotzdem begleitet von politischen „Einordnungen“, wie man sie kennt und gewohnt ist.
Haben wir es denn geschafft? Dahinter setzt die Reportage „Merkels Erbe – 10 Jahre ,Wir schaffen das!‘“ zunächst ein Fragezeichen. Anders als die Frau, die den ersten großen Auftritt in der Sendung bekommt: Angela Merkel selbst. Die kennt keine Frage-, sondern nur Ausrufezeichen. Vor allem natürlich für ihre eigene Politik.
Die Beziehung zwischen vielen deutschen Journalisten und der Altkanzlerin ist auch vier Jahre nach Ende der Ära Merkel eine, die irgendwo zwischen Ödipuskomplex und Heldenethos schwebt. Tritt Merkel mal in der Öffentlichkeit auf, findet sich immer ein Journalist, der sie dabei liebevollst begleitet und auch von jeder kritischen Frage absieht. Auch Ingo Zamperoni kann seine Bewunderung für Merkel kaum verbergen, als er die „Frau Bundeskanzlerin“ mit leuchtenden Augen in ihrem Büro zum Interview begrüßt.
Die Reportage wird eingerahmt von einem Merkel-Gespräch. Die Altkanzlerin gibt sich dabei wie immer unverbesserlich und uneinsichtig, wie man sie kennt: Sie ist sich sicher, keine Fehler gemacht zu haben. Mehr noch: Sie habe „keinen Zweifel“ daran, dass sie ihre Entscheidung zur Grenzöffnung wieder so fällen würde, sagt Merkel. Kritische Fragen fallen Ingo Zamperoni, wohl noch ganz ergriffen von der Präsenz seiner Gottkanzlerin, zu all dem nicht ein.
„Wir schaffen das“ – dass ihr diese Worte „um die Ohren gehauen wurden“, verwundert Merkel. „Sie sollten ja nichts anderes ausdrücken, als dass wir vor einer großen Aufgabe stehen (…) ich habe ja nicht gesagt ‚Ich schaffe das‘, sondern ‚wir schaffen das‘, weil ich auch auf die Menschen im Land gehofft habe“.
Auf die hatte sie „gehofft“ – sie dürfen jetzt die „Wir schaffen das“-Suppe auslöffeln, denn „geschafft“ ist die ganze Sache noch lange nicht. Dass das so ist, ist für Merkel, man ahnt es, alternativlos: „Was hätten wir denn tun sollen?“, fragt Merkel rhetorisch, um dann direkt die Antwort zu liefern, was man nicht hätte tun sollen: Die Grenzen schützen. Denn die „Flüchtlinge waren in Europa“, und da kann man dann nichts mehr machen.
So drückt es zumindest Merkel aus. Die meint: Menschen an der Grenze gewaltsam zurückzudrängen, sei „überhaupt keine Möglichkeit für mich gewesen. Dazu hätte ich mich nie bereit erklärt“, so die Altkanzlerin.
Weil Merkel dazu „nie bereit“ gewesen wäre, kamen über eine Million Menschen ins Land – ohne Prüfung, ohne Papiere. Ingo Zamperoni reist zu einem Hotspot dieser Massenmigration: Passau. Knapp vor der österreichischen Grenze gelegen, wurde die bayerische Stadt zum ersten Anlaufpunkt für die Migranten. Der Tagesthemen-Mann trifft dort zwei bayerische Grenzpolizisten. Er und sein Team begleiten die beiden bei Grenzkontrollen, die es unter Merkel nicht gab.
Er schildert, wie die Schleuser ohne Kontrollen „auf der Autobahn eingefahren“ seien und die Leute teilweise noch dort ausgesetzt hätten. „Man hat sich irgendwie so machtlos gefühlt“, schildert ein Beamter. „Wenn man einen Schleuser festgenommen hat mit 50 Illegalen, dann war man gebunden und dann sind die nächsten zehn, 15 Schleuser so reingefahren“, erzählt er.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zum Bundeshaushalt 2027 | 06.07.26











