Die Koalition im Strudel des eigenen Versagens. CDU und SPD streiten über jedes, aber auch wirklich jedes Thema. Und bemühen sich dabei vor allem darum, dass es möglichst niemand bemerkt. Dann kommt ein CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann ins TV-Studio, der bei Lanz noch im Frühjahr posaunt hatte, bis Mai sei „die wichtigste Zeit“ für die Koalition. Was bis dahin geschafft sein werde, sei entscheidend. „Daran hängt alles“, hat er damals gesagt. Und er werde sich bei seinem nächsten Besuch daran messen lassen.
Nun ist es so weit. Linnemann sitzt wieder bei Lanz. Mit leeren Händen, denn geschafft ist effektiv nichts, schon gar nicht bis zum vergangenen Mai. Linnemann soll sich rechtfertigen. Eigentlich eine ausweglose Situation. Doch allein die Tatsache, wie nonchalant er das Debakel kleinreden kann, wie pseudokritisch ihn Lanz in die Gummimangel nimmt, macht dem Zuschauer unmissverständlich klar: In dieser Runde geht es nur um geschickt kaschiertes Desinteresse aller Beteiligten. Um das Vorspielen eines kritischen Journalismus’ und einer lösungsorientierten Politik. Es ist alles nur ein einziges, großes Schauspiel. Und die Darsteller haben alle mächtig Spaß dabei.
„Ich finde es super, dass Sie mich jetzt damit knallhart konfrontieren“, sagt Linnemann. Schon dieser Satz ist so absurd überhöht, dass jede Kleinkunstbühne den Mann achtkantig aus dem Vorsprechen kicken würde. Doch er weiß: Bei Lanz kommt er damit durch. Denn der Moderator hat nur moderate Scheinkritik am Start. Wenn sich Pistorius beim Thema Wehrplicht-Bingo (Losverfahren für den Kriegsdienst) nicht „mitgenommen“ fühle, dann sei das ja wie im Regionalverkehr, sagt Lanz. Alle steigen in den Bus ein, und der zuständige Minister fühlt sich nicht mitgenommen. Hahaha, alle lachen.
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