Machtpolitik ist Defensivpolitik. Dominante politische Körper flüchten sich in ihre Arme, wenn es für sie eng wird. Die USA sind der Hegemon unserer Zeit, und sie weichen nicht länger vor ihren Problemen in den rhetorischen Nebel der Moralerzählungen aus, jetzt packen sie an! Mit dem Zollvorstoß adressiert Präsident Donald Trump das Problem, das die Nation seit den Tagen des Endes des Goldstandards im Jahr 1971 vor sich herschob: Fiskaldebakel und Handelsdefizit.
Ab der Bretton Woods Konferenz 1944 zeichneten die USA verantwortlich für die Weltreservewährung – mit allen positiven, aber auch negativen Konsequenzen. Im Maschinenraum der Globalökonomie ist der Dollar seither das Schmiermittel – und die USA versorgen Banken und Schuldner, indem sie ein chronisch wachsendes Handelsbilanzdefizit zuließen, bis zum 2. April 2025, dem zum „Liberation Day“ ausgerufenen Tag der großen Wende.
Die Trump-Regierung hat sich den Kampf gegen dieses Doppeldefizit nicht erst vor wenigen Tagen auf ihre Fahne geschrieben. Wer der Trump-Kampagne seit 2023 folgte, konnte antizipieren, was nun ansteht: eine neue Handelsordnung, mit den USA als Ordner der internationalen Lieferketten. Und dies geschieht mit maximaler Radikalität. Aggressive Zölle, ein schwächerer Dollar, sinkende Zinsen, Steuersenkungen und Deregulierung sind die Vektoren der US-Regierung in ihrem Kampf gegen einen Feind, der die Gesellschaft wie eine schleichende Vergiftung durchdrungen hat: die Verschuldung. Sie ist Ausdruck einer hohen Zeitpräferenz, des Wunsches, über Dinge ohne größere Anstrengung zu verfügen. Wer die Weltreservewährung innehat, verbilligt seinen importierten Konsum, da die Nachfrage nach dieser Devise grenzenlos scheint.
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