Das ist der Minus-Merz, der seine Partei unter die 30 Prozent führt: auf der Stuhlkante sitzend und hin und her wippend, mit eingefallenem Rücken, hochgezogenen Schultern, eingezogenem Kopf. Ein Merz, der seine Zuschauer auf Social Media zaghaft mit „Ja, meine Damen und Herren“ begrüßt und sogleich in die Hände klatscht, als könne er damit seine Zaghaftigkeit wettmachen; der im ersten Satz das Wort „schlafen“ erwähnt; der dann zweimal betont, die Deutschen brauchten keine Angst haben und dabei ängstlicher nicht wirken könnte.
Das Video beweist: Der größte Gegner des bürgerlichen Lagers sind nicht die Grünen oder die SPD. Der größte Gegner ist die eigene Unentschlossenheit, die Furcht der Bürgerlichen vor der Konfrontation mit dem linken Zeitgeist (den es, Ironie der Geschichte, so gar nicht mehr gibt). Merz wendet sich am Tag von Trumps Amtseinführung an die Deutschen – nicht aber, um eine Botschaft der Verheißung zu verkünden und diesen Tag des Erfolgs der amerikanischen Konservativen in ein Siegesversprechen für deutsche Konservative zu verwandeln.
Stattdessen erklärt Merz, Donald Trump werde heute „seine ersten politischen Entscheidungen treffen. Aber es gibt für uns Europäer, für uns Deutsche keinen Grund, jetzt ängstlich nach Washington zu schauen.“ Und betont kurz darauf noch einmal: „Wir haben keine Veranlassung, jetzt angstvoll hinzuschauen, was die neue amerikanische Regierung, was die Regierung Donald Trump tut.“
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