Ob wir mal kurz telefonieren können, schreibt die Person auf WhatsApp. Sie ist so bekannt, dass ich auch das Geschlecht bewusst nicht erwähne. Wenn im politischen Berlin telefoniert wird, geht es oft darum, keine schriftlichen Spuren zu hinterlassen. Viele Politiker benutzen in Messengerdiensten bewusst eine Funktion, bei der sich die Nachrichten nach einer bestimmten Frist selbst löschen. Trotzdem kann man sie mit Screenshots archivieren. Wer also Wert darauf legt, dass seine Kommunikation auch nicht zufällig öffentlich wird und Inhalte nicht dokumentiert werden können, der telefoniert.
Telefonate müsste man schon mit krimineller Energie und rechtswidrig mitschneiden, um das gesprochene Wort bewahren zu können. Auf Mailboxen spricht seit der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff ohnehin kaum noch jemand. Die Person, mit der ich seit langem in Kontakt stehe, meldet sich wenig später auf meinem Handy und kommt gleich zur Sache.
Ja, es würde jetzt absolut passen, bei „Schuler! Fragen, was ist“ über das neue Buch zu sprechen, und natürlich gibt es jede Menge aktuelle Punkte zum Thema Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland, die man dringend aufgreifen und besprechen müsste. Aber, sagt die Person, sie habe eine Professur an einer großen westdeutschen Universität, und dort, wie auch im gesamten akademischen Bereich, sei NIUS ein rotes Tuch. Jeder Kontakt führe nicht nur zu Anfeindungen, sondern dazu, dass man in ein rechtes Lager einsortiert werde, was am Ende sogar den Job kosten könne. Sie habe zwei kleine Kinder und könne es sich nicht leisten, ihre Lebensgrundlage aufs Spiel zu setzen.
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