Erasmus ist der Hausheilige aller Skeptiker

vor 8 Monaten

Erasmus ist der Hausheilige aller Skeptiker
Bildquelle: Tichys Einblick

Der Theologe und große Humanist Erasmus von Rotterdam hasste scholastische Haarspaltereien und liebte altgriechische Satiren. Aus dem Geist der Komödie schuf er in lateinischer Sprache moderne europäische Literatur und wurde damit in den frühen Jahren des Buchdrucks zum Bestsellerautor. Sein beliebtestes Werk, „Lob der Torheit“ („Moriae encomium“), 1511 erschienen, ist bis heute ein gepfeffertes Lesevergnügen – und doch weit mehr als das. Es ist ein Werk der praktischen Vernunft.

Es spricht in dieser „Lehrrede“ die Torheit persönlich, selbstredend eine Frau, eine antike Göttin gar, Tochter des Pluto, Gott des Reichtums, und der betörenden Nymphe Jugend. Geld und Sex, die Dinge, die das Leben bestimmen, sind die Eltern der Torheit.

Ihre Lobrede ist freilich alles, nur nicht dumm. Selbst wenn die Torheit vermeintlich Törichtes von sich gibt, trifft sie die Wahrheit. Damit verwirrt Erasmus seine Leser. Tatsächlich ist dieses „Lob der Torheit“ von erfrischender Klarheit. Seine Leser können nicht anders, als sich selbst zu erkennen und sich mit der Torheit zu identifizieren. Es ist ein Buch für gebildete Toren, für die Eliten seiner Zeit – und jeder Zeit. Zu den unbestreitbaren Vorzügen der Toren im Sinne des Humanisten Erasmus zählt, dass sie ihr Leben genießen. Denn der Tor zweifelt nicht an sich selbst. Angsthasen und Zauderer sind nicht unter den Toren zu finden. Sie mögen närrische Angeber sein, nur Sorgen machen sie sich nicht. In diesem Sinne ist Torheit Bedingung von Lebenslust. „Nur im Unverstand ist das Leben angenehm“, von der Wiege bis zur Bahre, formuliert er.

Erasmus fasste den Begriff der Torheit weit: Häufig bedeutet er Blindheit. Etwa die Blindheit der Liebenden. Die Torheit „sorgt dafür, dass die Gattin dem Gatten angenehm bleibt und umgekehrt der Gatte der Gattin, dass Ruhe im Haus herrscht und die Verbindung dauerhaft bleibt“. Auch ohne Alterstorheit wären Lebensüberdruss und Todesfurcht unvermeidlich.

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